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2 (1927)
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sei. Das wäre gleichbedeutend mit einer DemütigungRußlands , die letzteres unmöglich hinnehmen könne.

Ich entgegnete, daß Rußland um so weniger An-laß habe, sich in diesen grenznachbarlichen Streiteinzumischen, als Österreich Serbien nicht zu annek-tieren beabsichtige.

Er entgegnete, daß es ohne Annexion auch eineForm gebe, die Serbien in einen Vasallenstaat Öster-reichs verwandeln würde. Das könne und werde Ruß-land niemals mit ansehen. Rußlands Stellung bei derorthodoxen Christenheit stände auf dem Spiel. Er ließhierbei den Gedanken fallen, ob es denn nicht mög-lich sei, über die Ausdehnungen der militärischenOperationen Österreichs und über die Forderungender Monarchie eine Verständigung herbeizuführen?

Aus den heutigen Ausführungen des Ministersentnahm ich von neuem, daß man hier fest davonüberzeugt ist, wie ich mich wiederholt beehrt habe,Eure Exzellenz zu berichten, daß ohne die Bereit-willigkeit Österreichs , in eine Erörterung der ser-bischen Frage einzutreten, der Weltkrieg un-vermeidlich sein wird.

Sir E. Grey ließ hierbei halb im Scherz die Be-merkung fallen, man könne nie wissen, welche Häuserbei einem derartigen Brand unversehrtbleiben würden, jetzt rüste sogar schon daskleine Holland.

Der Minister war sichtlich erfreut über meine Mit-teilung, daß Eure Exzellenz bisher mit gutem Erfolgbestrebt gewesen sind, zwischen Wien und Peters-burg zu vermitteln und erklärte sich zu jeder Be-teiligung bereit, die Aussicht auf Erfolg verspräche.

Ich bat den Minister von neuem, in Petersburg vorübereilten Entschlüssen zu warnen und namentlich zuverhindern, daß dort eine allgemeine Mobilmachung

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