Platz greife, die auch unsere Grenze berühren würde.Die Folgen müßten unabsehbar sein. Der Ministerversprach mir wiederum, in diesem Sinne zu wirkenund dafür zu sorgen, daß die Köpfe möglichst kühlbleiben.
Schließlich teilte mir der Minister mit, daß derserbische Geschäftsträger in Rom dem Marquis di SanGiuliano erklärt habe, daß, unter der Voraussetzunggewisser Erläuterung der Art der Beteiligung öster-reichischer Agenten, Serbien geneigt sein würde, auchdie Artikel 5 und 6 der österreichischen Note, mithinalso alle Forderungen zu schlucken. Da nicht an-zunehmen wäre, daß Österreich sich in direkte Unter-handlungen mit Serbien einlassen würde, könnte dieSache durch Vermittlung der Großmächte als Rat anSerbien gelangen. Marquis die San Giuliano meint,daß auf dieser Grundlage sich eine Einigung erzielenlassen könne. Vor allem aber wünsche der Ministerdie unverzügliche Aufnahme der Besprechung. SirE. Grey hat Marquis di San Giuliano an die Wiener und Berliner Kabinette verweisen lassen, da er ohnederen Zustimmung nicht in der Lage sei, Be-sprechungen aufzunehmen.
Schließlich teilte mir der Minister ein TelegrammSir George Buchanans mit, wonach russiches Mi-nisterium der auswärtigen Angelegenheiten den frem-den Preßvertretern mitgeteilt haben soll, daß, daUnterhandlungen zwischen Wien und Petersburg er-gebnislos verlaufen seien, Rußland sich genötigt sehe,Betreten serbischen Bodens durch österreichischeTruppen als Kriegsfall zu betrachten.
Lichnowsky.
277