Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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triebe aufzuteilen, hieße daher die nationale Produk-tion empfindlich verringern, da für die Kleinbewirt-schaftung alle Voraussetzungen fehlen, um ähnlichintensiv arbeiten zu können. Beim Zuckerrübenanbaubei mittlerer Ernte werden zwölfmal, beim Kartoffel-anbau bei mittlerer Ernte achtmal soviel Nährwert-einheiten von der Flächeneinheit geerntet wie beimWeizenanbau bei mittlerer Ernte, ein landwirtschaft-licher Betrieb leistet mithin dem Staat um so größereDienste, je größer im Verhältnis zur Gesamtfläche seinHackfruchtbau ist, denn nur dieser kann die höchstenNährwerteinheiten hervorbringen.

Da aber nur im Großbetriebe bis dreiunddreißigProzent, ja bis fünfzig Prozent der Ackerflächen mitHackfrüchten bestellt werden kann, darf ein Staat sichniemals dieser wichtigsten Produktionsquellen be-rauben, am allerwenigsten in einer Zeit wie dergegenwärtigen.

An die Frage des Ankaufs von Großgrundbesitzdurch den Staat für die Zwecke der Aufteilung undAnsiedelung muß daher nur mit größter Vorsicht undFachkenntnis herangetreten werden. Jede Überstür-zung oder auch eine schematische Zwangsabgabe ohneRücksicht auf die besonderen wirtschaftlichen Ver-hältnisse und auf sonstige Voraussetzungen würde zuMißgriffen führen, die nicht nur die Steuerkraft desLandes, sondern auch namentlich die notwendige Er-zeugung von Nahrungsmitteln und Rohstoffen schwergefährden würde. Auch wird die Zahl derKriegs-beschädigten" und anderer Bewerber, die sich zurländlichen Ansiedelung drängen und die nötigen Kennt-nisse und körperlichen Voraussetzungen besitzen, fürdie mühevolle und wenig abwechslungsreiche länd-liche Berufstätigkeit keineswegs so erheblich sein, umZwangsmaßnahmen zu rechtfertigen. Es werden auch

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