Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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Holsteinern vertragen? Warum sollten es nicht Bayern ,Schwaben und Mecklenburger?

Mit dem Fortfall der Dynastien und der höfischenund materiellen Mittelpunkte, die sie bildeten, sindauch die Voraussetzungen verschwunden für denFortbestand der Einzelstaaten. Weshalb wollen wirbestrebt sein, einen rheinischen oder schlesischenPartikularismus zu züchten und zu befestigen, odereinen bayerischen und sächsischen künstlich zu er-halten, die des Mittelpunktes beraubt sind, um densie sich kristallisierten? Der bayerische Partikularis-mus ist ohne die Wittelsbacher ebenso schwer denkbar,wie der sächsische ohne die Wettiner und ihren Hof.

Will manmit feudalen Überresten gründlichaufräumen", die tatsächlich außer in der Bonner Borussia", im würdigen Herrenhause und in ge-wissen Regimentern, wo vornehme junge Leute fürwenig Geld und viele Grobheiten Rekruten exer-zierten, im wesentlichen noch bei einigen ostelbischenLandräten und bei Hofwürdenträgern zu finden waren,so fange man zunächst mit der Kleinstaaterei an, diedoch nur in Verbindung mit feudalen Traditioneneine Berechtigung hatte! Entfällt aber die höfischeGrundlage der Kleinstaaterei, so besteht weder geo-graphisch, noch wirtschaftlich, noch verwaltungstech-nisch eine stichhaltige Veranlassung für die Schaffungeinzelner Republiken!

Man wird mir vielleicht den berühmtenWasser-kopf" entgegenhalten. Dem möchte auch ich ent-gehen. Aber die wirtschaftliche Dezentralisierung istbei uns so weit vorgeschritten, die Industrie nahezuüber das ganze Reich verteilt, von den vielen Pflege-stätten der Kunst und Literatur nicht zu reden, daßdiese Gefahr bei uns sehr viel geringer ist als wo-anders. Und um das Parlament vor ochlokratischer

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