Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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Deutschland zu trennen, und der Ratiborer Kreistagnahm im Dezember vorigen Jahres folgende Erklärungeinstimmig an:

Angesichts der Bestrebungen, die sowohl von pol-nischer wie von tschechischer Seite darauf ausgehen,Oberschlesien vom preußischen Staat und vom Deut-schen Reiche loszulösen, so namentlich den KreisRatibor zwischen Polen und Tschechen zu teilen,spricht der Kreistag einmütig den Entschluß aus, sicheiner etwaigen Teilung und Loslösung zu widersetzenund nach wie vor bei Preußen und Deutsch-land verbleiben zu wollen, da er in diesem Ver-band allein die Voraussetzungen erblickt für das zu-künftige Gedeihen des oberschlesischen Volkes, ohneUnterschied der Konfessionen und der Sprache.

Inzwischen hat die gewaltige Bewegung, die inOberschlesien gegen die Loslösung entstanden ist, jaauch das Ausland darüber belehrt, daß die Einverlei-bung Oberschlesiens in fremde Staatsgebiete auf denheftigsten Widerstand seiner Bewohner stoßen und un-haltbare Zustände schaffen würde. Mit vollem Rechtehatte die Reichsregierung für dieses Gebiet keineVolksabstimmung vorgeschlagen, da es seit 1163 nichtmehr zu Polen gehört und von einer unzweifelhaft pol-nischen Bevölkerung überhaupt nicht die Rede seinkann. Bei der systematischen Verhetzung namentlichder ländlichen Volkskreise und deren Verärgerungüber die unleugbaren Härten der Zwangsaufbringungenund angesichts der mangelhaften Lebensmittelversor-gung auf dem Lande ist es aber immerhin möglich, daßsich in einzelnen Kreisen Oberschlesiens eine Mehrheitfür das Polentum ergibt. Die unwissende Menge sieht ge-wöhnlich nur die Mißstände des Augenblicks und erhofftnur allzuleicht von jedem Wechsel eine Besserung, in-dem sie auf unerfüllbare Verheißungen vertraut.

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