Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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Die Entente hat das Selbstbestimmungsrecht fürOberschlesien verkündet, wobei es sehr auf dieArt der Abstimmung ankommt, und sie willebenso in Nordschleswig ein Plebiszit stattfindenlassen. Unter Berufung auf die von Herrn Wilson ver-kündeten Grundsätze, die freilich, wie Prinz Maxvon Baden schlagend nachgewiesen hat, von den Ver-bündeten überall durchlöchert wurden, fragen wir,warum das Selbstbestimmungsrecht dann nicht allenGebieten zugestanden wird, die man uns nehmen will.Ich meine Posen, Westpreußen , Elsaß-Lothringen undauch die deutschen Teile Österreichs . Ich glaube, daßdieser Standpunkt sowohl im neutralen Auslande wieim gegnerisch-pazifistischen Lager volles Verständnisund Unterstützung finden sollte. Da unsere Gegneraber weder für Posen und Westpreußen , noch fürElsaß-Lothringen und die deutschen Teile Österreichs das Selbstbestimmungsrecht gelten lassen, so habenwir nicht den geringsten Grund, seine Gewährung inOberschlesien als ein Zugeständnis zu betrachten oderuns durch dieses Zugeständnis für den Raub unentbehr-licher Provinzen abfinden zu lassen.

Was Elsaß-Lothringen betrifft, so muß mit Nach-druck darauf hingewiesen werden, daß das sogenannteUnrecht von 1871 nicht größer war als das von 1674bezw. 1681, wo diese Länder auch durch Waffen-gewalt erobert wurden, und daß mithin der Frank-furter Vertrag ebenfalls eineDesannexion bedeutete,und zwar eines Landes, das mehr deutsch ist wiePosen etwa polnisch.

Das an Polen im Jahre 1772 begangeneUnrecht,mit dem man jetzt namentlich in Amerika und Eng-land auf harmlose und unkundige Gemüter erfolgreichgegen uns Stimmung macht, erscheint dem Historikerübrigens in einem wesentlich anderen Lichte.Selbst

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