Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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Von Rußland haben wir nichts zu befürchten undhatten es nicht. Der sogenannte Panslawismus undder moskowitische Imperialismus richteten sich gegenÖsterreich-Ungarn, die Türkei, Persien, Zentralasien ,China, Japan , nur nicht gegen uns, wenn wir unsnicht schützend vor Austro-Magyaren und Türkenstellten. Im Gegenteil, die polnische Frage bildeteeine sichere Grundlage der Verständigung und Freund-schaft zwischen uns und Rußland.

Mit Japan werden wir uns schnell verstehenkönnen, da seit dem Verlust von Kiautschou keinGegensatz zwischen uns und Japan mehr besteht undniemand uns zwingt, wie 1895, uns dazu zu drängen,für andere die Kastanien aus dem Feuer zu holen.Nach unserer politischen und wirtschaftlichen Aus-schaltung aus Ostasien wird der Gegensatz Japans zur Union und auch zum verbündeten England zuunserem Vorteil hervortreten.

Das sind wohl im wesentlichen die Grundlagenunserer künftigen Auslandspolitik, soweit wir über-haupt in der Lage sein werden, Auslandspolitik selb-ständig zu treiben. Es trennen uns gar keineGegensätze von Rußland, auch keine vonEngland, Nordamerika und Japan. Mitdiesen Mächten werden wir auch in Zukunft, derFrieden mag ausfallen wie er will, in erster Linie zurechnen haben. Hingegen ist der Gegensatz zu Polen am schwersten überbrückbar. Sollten wir aber diedeutsch -österreichische Erbschaft antreten, so geratenwir auch noch mit Tschechen , Magyaren, Italienernund Südslawen in Streit. Polen und Tschechen werdenjederzeit an Frankreich , unserem unversöhnlichstenGegner, eine bereitwillige Stütze finden.

Es erübrigt sich hinzuzufügen, daß das deutscheVolk den Verlust des deutschen Elsaß, das Frank -

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