Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
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kommen gewöhnlich aus dem Änlande, für ihre Ernährung brauchen siepro Woche eine Mark, und das andere Geld senden sie heim an ihreFamilien, denn sie sind meistens verheiratet und verdienen in solcherStellung als Privatkuli nach ihren heimatlichen Begriffen ein Vermögen.Zelten werden diese armen Kreaturen älter als 40 Jahre, ihre durch-schnittliche Lebensdauer soll jedenfalls ZZ Jahre nicht überschreiten.Für meine Frau und mich waren natürlich für die Zeit unseres Auf-enthaltes 8 solcher Sklaven gemietet worden. Die armen Kerle, diees bei uns übrigens ganz gut hatten, lagen vom frühen Morgen bis indie Nacht hinein vor einem Nebeneingang des Hotels auf der Straße,wenn sie nicht mit uns unterwegs waren.

.Der Chinese kennt nur einen Feiertag, das ist Neujahr.

Während des ganzen Jahres arbeitet er fleißig, er kennt keinen Sonn-tag und keine Erholungszeit, aber mit dcm Änbruch des neuen Jahresverbindet er einen besonderen Glauben. Da löst er aus dem Pfand-hause seine guten Kleider aus (die er schon deshalb dort unterbringt,weil er sie im Leihhause vor Diebstahl gesichert weiß), während er dengrößten Teil seines übrigbleibenden Geldes in Zeuerwerkskörpern an-legt. Um die bösen Geister im neuen Jahre von sich fernzuhalten,brennt der Chinese beim Beginn und an dem ersten und zweiten Tagedes neuen Jahres Feuerwerk ab,kireciackers" in freundlicher Ver-einigung mit Kanonenschlägen: ,en Pütt vull Müüs" nannten wires als Jungen, was hier zu Hunderttausenden verpufft wird. Manmuß es erlebt haben, um es zu glauben. Fast 2 Tage und Nächtehindurch konnte man sich in die Nähe eines wilden Schlachtgetümmelsversetzt wähnen, so knallte es an allen Ecken und Kanten, dazwischenRaketen und Leuchtkugeln und das Geschrei der in Festesfreude schwel-genden Chinesen. Es war ein toller Lärm, und unsere Nachtruhewurde natürlich arg gestört.

Die Häuser der Chinesenstadt waren bis unter die Dächer ge-schmückt. Fahnen, große prächtige Lampions, Girlanden aus buntem