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Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
368
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dem Kriege zu bezahlen haben. Der Gedanke des mitteleuropäischenWirtschastsverbandes ist zu einer höchst unglücklichen Zeit in die Weltgesetzt und mit einer Propaganda hinausgetragen worden, welche dieGegenmaßnahmen unserer Feinde, wie sie in den Beschlüssen der PariserWrrtschastskonfcrenz aufgestellt worden sind. hervorrufen mußten.

Die Beschlüsse der Pariser Wirtschastskonfercnz waren nicht ernst,zunehmen bis zu dem Tage, an welchem Amerika in den Krieg gegenuns eintrat. Unter amerikanischer Mitwirkung sind die Beschlüsse aberdurchführbar, und deshalb sehe ich mit besonderer Sorge auf die weitereEntwicklung dieser Frage. Nach meiner Ansicht ist es notwendig, daßunsere Zriedensverhändler nicht eher an den Konferenztisch sich setzen,bis darüber ein Einverständnis erzielt ist. daß im Falle eines Friedens»Misses die früheren Beziehungen auf handelspolitischem Gebiet inweitester Form wiederhergestellt und die Beschlüsse der Pariser undMitteleuropäischen Konferenzen aufgehoben sind. Eine solche Haltungkönnen unsere Verhändler aber nur annehmen, wenn sie gleichzeitig auchdie Frage der Handelsverträge in der Form aufrollen, daß für eine aus»gedehnte Periode alle abge aufenen und noch bestehenden Handelsver-träge ihre Gültigkeit zurückerlangen sollen. Die Nachteile, welche ineinigen Verträgen für uns sind, werden reichlich ausgewogen durch dieVorteile, welche andere Verträge uns eröffnen.

Man kann der Regierung gar nicht genug empfehlen, in allensolchen Fragen zurückzugreifen auf das Arteil erfahrener Kaufleute.2ch habe das Herrn von Bethmann schon in der ersten Zeit des Kriegesvergeblich ans Herz gelegt. Es hat doch alles seine Wissenschaft! Ichlas gerade gestern in einem Briefe von Gustav Freytag an seinen Ver.leger Hirzcl die vortreffliche Selbstkritik:Was aus meiner Arbeitwird, weiß ich noch nicht, doch fürchte ich. daß ich mache, was anderemit mehr Beruf machen könnten, und nicht mache, was meines AmteZwäre/ Jeder große Führer im Wirtschaft» wie im politischen Lebenmuß erkennen, wie abträg ich es ist, wenn er sich in Arbeiten zer-splittert, die ein anderer ebensogut oder vielleicht noch besser machen