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jedoch ein scharfer Beobachter wie der florentinische Humanist LeonardoBruni äußerte sich, Chrysoloras sei mehr nullionis als unionis causagekommen 21 , und in der Tat verstrichen noch 20 Jahre, bis es zumUnionskonzil von Ferrara kam. Bei seiner Rückkehr nach Konstantinopeltraf Manuel Chrysoloras Guarino und Barbaro in Florenz und begleitetesie nach Venedig. Man reiste damals über Land durch den Apennin überBologna bis nach Ferrara , stieg dort zu Schiff und fuhr den Po hinunterbis ins Adriatische Meer und weiter zur See nach Venedig. Als sie aufsMeer kamen, wurden die Reisegefährten seekrank, und sie wundertensich darüber, denn auf dem Flusse war das Schiff in viel größerer Be-wegung als auf dem ziemlich ruhigen Meer gewesen. Da erklärte ihnenChrysoloras, dies rühre von der Verschiedenheit der Bewegung her 22 . DieErinnerung an die Worte des berühmten Mannes werden wohl Fran-cesco fest im Gedächtnis geblieben sein, denn es war die letzte Begegnungmit ihm; bald darauf starb Chrysoloras in Konstanz . Er sollte den Griechenauf dem dortigen Konzil als Dolmetscher behilf lieh sein. So hat FrancescoBarbaro Chrysoloras wohl gekannt, vielleicht betrachtete er sich auchals seinen Schüler, wie ältere Nachrichten andeuten 22 , doch haben wirkeine Gewißheit, ob er einmal auch unmittelbar seinen Unterricht ge-nossen hat. In Venedig angekommen, wurde Guarino gastlich im HauseBarbaro aufgenommen und so lange beherbergt, bis er eine eigne Woh-nung fand. Der Ehre, ihn im väterlichen Hause bewillkommnet zu haben,gedenkt Francesco in der drei Jahre später an den Bruder Zacharias ge-richteten Widmung seiner Übersetzung der Aristidesbiographie Plut-archs, aus der wir sehen, wie Guarinos Lehren in dem jungen Venezianergezündet haben. Nachdem sein Lehrer aus Florenz zurückgekehrt ist, be-ginnen für Francesco fünf glückliche und sein geistiges Gesicht prägendeJahre, in denen er bei Guarino Griechisch lernt. Zum ersten Male trägt erseinen Dank öffentlich in jener Vorrede ab. «Hierfür, glaube ich, wirst duunsrem allerbescheidensten und beredtesten Guarino Veronese, unsermgemeinsamen Lehrer, den größten Dank wissen. Da er unser Gast war,scheue ich mich nicht, auszusprechen, was ich denke: daß wir dareinnicht minder unsern Ruhm setzen dürfen als wie Lucullus in Archias,Pompeius in Theophanes und Cornelius in Ennius 23 .» Von Anfang an istes ja Humanistenbrauch, die großen Namen der Vorzeit mit denen der