VERTEIDIGUNG DER GRIECHISCHEN STUDIEN 41
siebzig Männer für das Werk der Übersetzung der Heiligen Schrift nichtsolche Sorgfalt, so große Mühe, so viel stilles Nachdenken und den Friedendes Gemütes aufgebracht. Warum ? Etwa weil sie so große Arbeit, so-viel Überlegung, so häufige Nachtwachen diesen Dingen gewidmet hättenund durch sie zur Hoffnung geführt worden wären, wenn nicht das aller-strahlendste, so doch ein strahlendes Gedächtnis ihres Namens der Nach-welt zurückzulassen ? Ja, ja, so verhält sich's. Wer denn würde aus Un-kenntnis der Welt nicht begreifen, daß die meisten Menschen derartigeNachtwachen für unzuträglich halten würden, wenn dieses Studieren beiNacht ihnen nicht hohes Lob, angenehme Studien und höchste Förderungihrem Ruf einbrächte ?» Wir sehen, daß der Samen, den Guarino in das Ge-müt des Jünglings gelegt hatte, als er ihm vom Ruhme schrieb, den dasStudium der göttlichen Tugend eintrüge, auf fruchtbaren Boden gefallenund aufgegangen ist, denn in den letzten Worten spricht Francesco un-zweifelhaft von sich selber und seinem Ehrgeiz, für die Nachwelt wenig-stens ein berühmter Mann zu werden, da ihm die Selbstbescheidung sagt,daß er zu den allergrößten doch nicht gehören werde. Daß er seine Ge-sinnung just den heiligen Verfassern der LXX unterlegt, die ihm gerade indie Quere kommen, entbehrt nicht des Reizes jugendlicher Unbekümmert-heit. Aber abgesehen von dem Ruhm, den sich der Übersetzer als Vermitt-ler des hervorragendsten Wissens der alten Griechen erwirbt, betonen dieHumanisten, deren Wortführer hier Barbaro ist, die sittliche Wirkungauf Hörer und Leser, die dadurch «ornatiores, eruditiores, sanctiores»werden. Das sind Gedankengänge, die aus Quintilian herrühren, derhier als Zeuge beigebracht wird. Nachdem Francesco die Übersetzungs-kunst im Altertum so gepriesen hat, lobt er ihre Pflege bei den Zeit-genossen und nennt besonders Guarino und Leonardo Bruni 30 , «umsie zu ehren». Auch wer, wie er selber, des Griechischen mächtig ist, hatihren Übersetzungen sehr viel zu danken, um die Texte richtig zu ver-stehen. Lorenzo de'Monaci arbeitete, wie erwähnt, an einer Chroniküber die Frühzeit Venedigs, und bat Francesco, für ihn zu Hause Stoffzu sammeln, der ihm auf seinem überseeischen Posten nicht zugäng-lich war. Der Jüngere hatte ihm gerne diesen Dienst erwiesen, abernach dem letzten tadelnden Brief glaubte er davon absehen zu sollen,da er ihm wohl damit keine Freude mehr machen würde 31 .