54
III HUMANISTISCHE ARBEITEN BARBAROS
Italiener jener Zeit angefertigt haben, stammen aus der Schule des ManuelChrysoloras .
Schon während seines Aufenthaltes in KonstantinopeJ hatte Guarino damit angefan-gen, die Biographie Alexanders des Großen zu übersetzen. Nach Italien rückgekehrt,setzt er diese Arbeit viele Jahre hindurch fort. Man beachte, wem er die einzelnenWerke widmet. In Florenz den dortigen Freunden; nach seiner Ankunft in Venedigzwei Dialoge dem Francesco Barbaro , dann den Themistokles dem berühmten altenAdmiral Carlo Zeno, dessen Seesieg bei Chioggia den Vergleich mit Salamis wohlaushält. Im Jahre 1434 wieder einen an Barbaro, damals Podestä von Verona , derVaterstadt Guarinos. Das folgende Jahr bringt eine Widmung an seinen andern Lieb-lingsschüler, Lionello d'Este, als dieser sich 1435 vermählt, und schließlich 1437nochmal zwei an Lionello zum Dank dafür, daß dieser ihm das Bürgerrecht vonFerrara verliehen hatte.
Guarino widmete seine Übersetzungen nur solchen Leuten, die denWert der Gabe zu würdigen wußten und nicht, wie es sonst damals undspäter üblich war, vornehmen Herren, die zwar nichts von der Sacheverstanden, aber sich schmeicheln ließen und mit klingendem Soldeerkenntlich waren. Außer Guarino übersetzten den Plutarch in Venedigseine Schüler Barbaro und Giustiniani, in Florenz Bruni und Jacopo diAngelo da Scarparia, ein Schüler des Chrysoloras. Später dann Filelfo ,der in Konstantinopel Schüler des Neffen des Manuel Chrysoloras , Johan-nes, war, und endlich noch der Schüler Filelfos, Lapo da Castiglionchio.Alle diese verschiedenen Übersetzungen wurden in einem Bande ver-einigt und schon sehr früh (1470) gedruckt; allerdings ist festgestelltworden, daß die älteren und zeitlebens in humanistischen Arbeiten ver-harrenden Guarino und Bruni sowie Filelfo sehr viel besser übersetzt habenals ihre Schüler Giustiniani und Barbaro, die erst an dieser Arbeit richtigGriechisch lernten. Der erste übersetze zwar wortgetreu, aber sein Stilsei dürr, während der zweite sich durch Zusätze zum Texte rhetorischeSchwellungen erlaube 14 . Aber das ist schließlich Nebensache; es kommtdarauf an, welchen Eindruck Plutarch in einem so bedeutenden Men-schen wie Francesco Barbaro hinterlassen hat. Durch Plutarch kamen diewestlichen Länder in eine neue Verbundenheit zu den Helden des Alter-tums, die sie vorher nicht gekannt hatten. Plutarch hat in seiner Jugendauf Francesco Barbaro einmal als geistigen Menschen, in seinem Mannes-alter als Täter gewirkt: beim ersten Kennenlernen in der sofortigen