PLUTARCHÜB ERSETZUNGEN
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Verarbeitung in den Übersetzungen und Vorreden, sowie als treibendeKraft in seinem Werk DE RE UXORIA, das in das erste Jahr seinesgriechischen Studiums fällt, und dann in späteren Jahren vielleicht nochwichtiger: bei der Umsetzung in die Tat, der Verkörperung der plutarchi-schen Gestalten in sich selbst. Einige Jahrhunderte später meinte der kor-sische Freiheitsheld Paoli zu dem heranwachsenden Napoleon Bonaparte ,dieser sei selber eine plutarchische Gestalt. In dem bescheideneren Raum,der ihm als heldenmütigem Verteidiger des bis aufs äußerste bedrohtenBrescia zugemessen war, werden wir auch an Barbaro die Zeichen undZüge der Helden des Altertums wiedererkennen, denn wie nachher beiso vielen großen Tätern hat auch an der Schwelle seines Traumes Plutarch gestanden, nach vielen Jahrhunderten zum ersten Male.Die Lehren Plutarchs sind selbst bis in den Alltag jener Humanisten ein-gedrungen. Francesco, der frühzeitig mit Sammeleifer sich eine eigeneBibliothek schafft, besitzt eine prachtvolle Plutarchhandschrift. Die leihter dem Lehrer und Freunde nicht nur, sondern schenkt sie ihm sogar.Guarino widmet ihm zum Danke seine Übersetzung der Vita des Dionund schreibt dazu einen freudigen Brief 15 , in dem er erzählt, was er beimDurchblättern des kostbaren Geschenkes über Plutarch gedacht habe.Aufgefallen sei ihm die Leichtigkeit und Größe des schöpferischen Geistesbei diesem Griechen, die Klarheit seiner Kenntnisse in allen Gebieten derhohen Kunst und die Fülle der Geschehnisse, die ihm aus dem ganzenAltertume zu Gebote stünden. Man sollte kaum glauben, daß das alleseinem Kopfe entsprungen sei, sondern eher vielen zugleich, «und ausüberquellendem Brunnen hervorsprudelnd». Wenn er nun in Anbetrachtseiner Wenigkeit das fürstliche Geschenk betrachte, so müsse er gestehen,daß diese Gabe weniger seiner als Francescos Würde entspreche oder eherseiner Freigebigkeit, denn nur der sei wahrhaft freigebig, der wie Francescowisse, daß der Beschenkte gar nicht die Mittel besitze, eine gleich kostbareGegengabe zu spenden. (Diesen Gedanken hat sich Barbaro zu eigen ge-macht und spricht ihn in der Widmung seiner Schrift DE RE UXORIAanLorenzo de'Medici aus.)« Da ich nun vorhatte, gleichsam ein Zeichenmeiner Dankbarkeit vorzuweisen, fährt Guarino fort, so hielt ich es fürdas beste und deinen Verdiensten gewiß entsprechend, wenn ich dir denPlutarch lateinisch wiederschenkte, den ich von dir griechisch empfing. Als