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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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BARBAROS ANSICHT ÜBER DIE FRAUEN

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man nicht die christliche Satzung schweigend übergehen, ihre Würdeist ja verdientermaßen so groß, daß sie auch ohne Vernunftgründe glaub-haft sein könnte. Durch ihr Herkommen wird die Ehe, die schon durchSakrament, Treue und Nachkommenschaft besonders gefestigt ist, soempfohlen, daß leicht zu ersehen ist: zunächst wurde sie geboten, hernachzugestanden. Wie sehr sie zu billigen sei, hat uns Christus unser Herr imEvangelium bekräftigt, einmal dadurch, daß er verbot, die Gattin zu ver-stoßen, und dann weil er eingeladen zur Hochzeit kam. Davon ist zuhalten, daß, obwohl die Ehe an sich nicht erstrebenswert ist, sie doch indem, was an sich gut in ihr ist, meinem freien Beheben anheimgestelltwird 14 .» Dies ist die gleiche Ansicht, wie sie Petrus Lombardus äußert.Die Abweichung von der pessimistischen Lehre der Erbsünde, wie siein ihren Folgerungen bei Augustinus und Petrus Lombardus ausgebautist, kommt im übernächsten Satze Barbaros klar zum Ausdruck: «Wirglauben also, daß die Ehe gut ist wegen der Nachkommenschaft undwegen der Gemeinschaft beider Geschlechter, welche uns die Natur inwunderbarer Weise anheimgibt.»Er stellt sich also freudigund diesseitsge-wandt auf den Boden der Natur, deren wunderbare Fügung er preist, weiler sie ohne Vorbehalt bejaht, und er seufzt nicht verlorenen Paradiesennach. Das kennzeichnet ihn als Menschen der Renaissance. Zugleich be-müht er sich hier, das leidige Sexuelle, das immer den Anspruch erhebe, in-mitten des Sinnens und Trachtens des Menschen zu stehen und die einzigeTriebfeder seines Lebens zu sein (was den Streit der Meinungen immerwieder von neuem entfacht), aus dem Mittelpunkte wegzuschieben und esrichtigerweise durch die «societas utriusque sexus» zu ersetzen. (Andern-falls 1 ), fährt er fort, «ginge dieWürde der Ehe zwischen altenLeuten verloren,wenn sie keine Kinder haben oder ihnen die Hoffnung geraubt ist, solchenoch zu zeugen, wobei die besondere Ehre darin besteht, daß dieWürde, dieArt fortzupflanzen, vor der Schmach der Unenthaltsamkeit schützt.»Andiesem Beispiel läßt sich deutlich erkennen, wieweit bei einem Menschender Renaissance mittelalterliche Überlieferung befolgt oder abgebrochenwird. Soweit es sich um die christliche Lehre handelt, muß er sich mitdem ihm von Augusün, Hugo von St. Viktor, Petrus Lombardus mittelbaroder unmittelbar Zugeleiteten auseinandersetzen; jedoch sind Gesinnungund Auffassung, wie er an die altenDinge neu herantritt, grundverschieden.

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