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IV DE RE UXORIA
eigne Kinder zu ernähren 16 ...» Noch strengere Bestimmungen als beiden Römern findet Francesco bei den Spartanern, wo Lykurg die mit37 Jahren noch Unbeweibten der Verspottung aussetzt, unbeschadetder Ehrfurcht, die Jüngere den verdienten Älteren schuldig sind. «Des-halb war es nicht ungezogen», meint Francesco, «daß dem berühmtenFeldherrn Kallikles (Plutarch erzählt dies von Derkyllidas) zu Laze-dämon, seinem Alterssitz, ein Jüngling im Theater nicht die Ehre erwiesund Platz machte, sondern sagte: Hast du, Kallikles, doch keinen ge-zeugt, der einst mir Platz machen muß!» Barbaro Hebt mit jugendlicherEntschiedenheit diese unvermittelnde, unzweideutige Schroffheit derHaltung in Lebens- und staatlichen Dingen und schreckt nicht voreinem solchen Beispiel zurück, das in harter Folgerichtigkeit nur einenStaatstrieb gelten läßt bis zur Nichtachtung aller andern. Bezeichnendfür ihn ist es, welchen Zeiten beispielhafter Vergangenheit er sich mitVorliebe zuwendet: es sind die blutsstarken frühen Gründungszeiten derengen staatlichen Gebundenheit, wo die ungeschwächte Erhaltung desBlutes über allem steht, damit die Stoßkraft des staatlichen Lebens nichterlahme. Dies ist die geheime Verwandtschaft, die zwischen Sparta , derrömischen Republik und dem mittleren Venedig besteht. Denen ziemtsolch ausschließlicher Familiensinn. Des Vorhandenseins eines geist-lichen Standes und seines Zöübates in der Gegenwart wird mit keinemWorte Erwähnung getan, wie ja in dieser ganz auf das Weldiche gerich-teten Schrift, obwohl sie in höchstem Maße ethisch ist, niemals eine Ver-ankerung in einem überweltlichen Reich gesucht wird. Für das Zölibatgibt es also im Staate des jungen Barbaro noch keinen Platz.Die Aristokratie, aus deren Boden er herausgewachsen ist, muß dagegenden größten Wert auf die Eugenik, die vollwertige Nachkommen-schaft, legen, die erfahrungsgemäß am besten durch Vollbürtigkeit (Legi-timität) gewährleistet wird. Barbaro weiß aus Erfahrung, daß die ille-gitimen Geburten, besonders die im Rausch erzeugten, meistens minder-wertige Charaktere besitzen. «Wer in angesehenem Hause geboren ist,den duldet das Licht des väterlichen Ruhmes nicht im Dunkeln; dermerkt, daß die Bilder der Ahnen ihm mehr Last als Ehre sind, wenner nicht durch eigne Manneskraft der Würde und Erhabenheit derVorfahren entspricht. Und wahrlich, er weiß sehr wohl, daß aller Augen