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IV DE RE UXORIA
in seinem Inhalte bald mit der einen, bald mit der anderen dieser Er-2iehungsschriften. Vorgänger sind zwei Bücher, deren Abfassung nochins XIV.Jahrhundert fällt: ein klerikales und ein humanistisches. Alledrei Schriften ergänzen sich inhaltlich, da Kardinal Johannes Dominici die Kindheitsstufe, Pier Paolo Vergerio das Knaben- und Jünglingsalterund Barbaro das junge Mannesalter sowie anschließend wieder die Er-ziehung der Kinder behandelt; aber was die Gesinnung anbetrifft, scheidetdie beiden letztgenannten humanistischen Werke eine tiefe Kluft von demersten, dem klerikalen, das noch ganz auf mittelalterlicher Anschauungfußt. In den hier berührten Ehe- und Erziehungsfragen konnten Barbaround jeder andere Humanist weder an die mystische Lösung des Hugo vonSt. Viktor, noch an die dogmatische des Petrus Lombardus , am wenigstenaber an die pädagogische ihres Zeitgenossen Johannes Dominici sichhalten. Während aber die beiden erstgenannten Werke in sich lauter sind,der Dogmatiker in logischer Klarheit die Schwierigkeiten bis zum Endedurchdenkt, die ihm die Glaubenssätze der Kirche bieten, der Mystikerdie Liebesnut seines Glaubens in kristallklarer, ganz durchseelter Spracheleuchten läßt, stoßen wir bei dem kirchlichen Pädagogen des ausgehen-den XIV. Jahrhunderts auf einen trüben Strom in seelischer Dumpfheitund verkrampften Trieben 19 . Aus Johannes Dominici spricht die eng-stirnige sittliche Unfreiheit der Dominikanermönche jener Zeit — hun-dert Jahre später forderte sie die blutige Saüre der Dunkelmännerbriefeheraus. Man könnte im einzelnen in seinem Werk Belege für die Ge-sinnung sammeln, die von den Humanisten des XVI. Jahrhundertsgegeißelt und verhöhnt wurde 20 .
Frau Bartolomea Alberti, deren Mann in den Parteikämpfen zwischenden Albizzi und den Alberti aus Florenz hatte weichen müssen, wandtesich ums Jahr 1400 an ihren Beichtvater Dominici, er möge ihr eineAnweisung für die Erziehung ihrer Söhne geben. So konnte dieser ohneweltlichen Einspruch des leiblichen Vaters als geistlicher Vater dieserFamilie die Erziehung ganz nach seinem Gutdünken regeln. Er schriebitalienisch, weil Bartolomea kein Latein verstand. Dominici predigt eineErziehung, die sich gegen alles Neue sträubt; wenigstens seine Schäf-chen möchte er vor dem frischen Hauch bewahren. Auch bei Barbarodienen die alten Sitten zum Vorbild der Gegenwart, doch greift er