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Barbaro dagegen ist noch ein Jüngling und fühlt die Berufung, sich undden Altersgenossen den Weg, den sie beschreiten sollen, voranzudeuten.Beide Werke sind eine Perlenschnur von antiken Zitaten, durchwobenmit eignen Betrachtungen. Barbaro, der später schrieb, hat schon einegrößere Anzahl namentlich griechischer Schriftsteller zu seiner Verfü-gung, während Vergerios Buch vielleicht reicher an Hinweisen auf dieunmittelbare Gegenwart ist. Beide sind in ihren ethischen Bestrebungengleichgerichtet. Auch Vergerio tritt nicht in Gegensatz zur Kirche. Esist aber unhaltbar, wenn von monastischer Seite eine Annäherungzwischen Dominici und Vergerio behauptet wird, weil dieser gelegent-lich gegen einen übertriebenen Formalismus im humanistischen Lagereifert. Nach genauerem Einblick in die Geistesart des Dominici erübrigtsich ein weiteres Gegenüberstellen der verschiedenartigen Gesinnung.Vergerio steht dagegen dem Werke seines Landsmannes Barbaro vielnäher. Ehrfurcht vor göttüchen Dingen und Teilnahme des Staates ander Erziehung, die sie beide betonen, sind gemeinsame venezianischeZüge. Ferner Vergerios Rat für die Jungen: lieber zuviel schweigen alszuviel reden. «Es wird nützen», sagt er, «wenn man sie ermahnt, wenig zusprechen, und wenn sie nicht geheißen sind, nur wortkarg zu reden, dennin vielem Gerede ist immer irgend etwas, was sich tadeln läßt. Wenn manaber in einem von beiden sündigen soll, so ist es doch viel sicherer zuschweigen als zu schwatzen. Wer zur Unzeit schweigt, läßt es nur in demeinen fehlen, daß er schweigt, wenn er aber redet, kann er sich in vielemirren.» Die rechten Umgangsformen, meint Vergerio, sind Anmut undWürde (facilitas und gravitas), aber beide dürfen nicht übertrieben werden,um nicht zu lächerlicher Karikatur auszuarten. «Gleichermaßen muß mansich hüten, daß nicht die eine in bäurische Schwerfälligkeit, die andre ingeckenhafte Leichtfüßigkeit ausmündet. Deshalb soll sich jeder gernezurechtweisen lassen. Denn wie wir bei vorgehaltenem Spiegel die Fleckenauf unserm Gesicht erkennen, so ergründen wir beim Tadel der Freundedas Irren unseres Charakters, und dies ist die allerbeste Gelegenheit zurBesserung.» Aus solchen Zügen wird das Bild der «edlen Sitten» beiVergerio zusammengesetzt, und da es aus einer italienischen Sehnsuchtnach edler Stilisierung des Lebens hervorgeht, hat es viel Beherzigunggefunden, nicht zuletzt bei Barbaro, dessen Charakterzüge wir darin zu
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