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IV DE RE UXORIA
kupplerische Weib habe er jenseits der Alpen in den ligurischen Frauenkennengelernt, die gerade 2u diesem «Kupplerwesen wie auserlesen»seien. Es ist bei Eyb weniger moralische Entrüstung über dieses Ge-schäft als der Zorn, daß die unverdorbenen jungen Leute auf Abwegegerieten.
Derselbe Pier Paolo Vergerio, der Ubertino da Carrara einen Fürstenspiegel vorhielt,verfaßte die lebendige Sittenschilderung der Studentenkomödie Paulus 44 , die geradedieses Thema zum Vorwurf hat. Paulus ist ein verlorener Sohn, ein leichtsinnigerStudent, der schon 4 Jahre für sein Studium nichts getan hat. Trotz moralischenKatzenjammers darüber (mit dem die erste Szene anhebt) wird er durch die Ein-flüsterungen eines ungetreuen Dieners schnell umgestimmt und läßt sich der nächst-besten Dirne verkuppeln: so verludert er noch tiefer als zuvor. Einen ähnlichenGegenstand behandelt Leonardo Bruni in der Poliscena.
Nun erhebt sich die Frage: Ist denn Barbaro selber nicht mit diesenSchattenseiten des Lebens in Berührung gekommen ? Von seiner Padua-ner Studentenzeit wissen wir wenig. Wie es dort zuging, sehen wiranschaulich bei dem ein wenig jüngeren Freund Barbaros, Piero dalMonte, der während seiner Studienzeit Studentenpräses an der UniversitätPadua war. Als solcher hielt er eine beredte Ansprache an die veneziani-schen Behörden, um sie zur Aufhebung ihres Verbotes der Studenten-Fastnachtsmaskerade zu bewegen 45 . Aber hier treten uns ganz andereLebensspannungen entgegen, als wir sie bei Barbaros gebildeten Abend-gesprächen im angeregten Paduaner Freundeskreis kennengelernt haben.Das typische Studentenleben, das Pendeln zwischen den Extremen fleißig-sten Studierens fürs Examen und ausgelassensten Fastnachtstobens kannman sich für unsern gemessenen venezianischen Nobile kaum vorstellen.In seinem Werke jedenfalls spüren wir nichts davon, freilich dessenBestimmung als Hochzeitsgabe schließt die Beschäftigung mit den unte-ren Lagen des menschlichen Lebens aus. Gewiß fehlt auch bei Barbaronicht der Zorn auf gemeine und niederträchtige Gesinnung: er geißeltz. B. die Gier schmeichlerischer Klienten, den Geiz pflichtvergessenerHagestolze, die Völlerei, das Geckentum usw., aber die noch tiefereStufe berührt er nicht, denn es wäre hier unziemlich gewesen, des Ehe-bruchs, des Kuppler- und Hurenwesens zu gedenken. Aber abgesehenvon dem Werke wird diese niedere Lebenssphäre auch in dem ganzenBriefwechsel Barbaros nie berührt: er war vollauf mit wichtigeren