Lorenzo il Magnifico und die platonische Akademie mit Marsilio Ficino .So ist es ganz natürlich, wenn der junge Barbaro nach seiner FlorentinerReise vor allem mit Traversari in Briefaustausch tritt 8 . Dieser Brief-wechsel unterscheidet sich von vielen späteren Barbaros durch das Fehlenzweier Hauptmerkmale, nämlich der Politik und der religiösen Fragen,die man bei einem Ordensmanne vermuten sollte. Beide Freunde habenwährend jener Jahre ihre Aufmerksamkeit ausschließlich humanistischenDingen im engeren Sinne zugewandt. Die Briefe beginnen 1416, undzunächst befleißigt sich Traversari einer ausgesuchten und weitschweifi-gen Höflichkeit gegenüber dem jüngeren, vornehmen Herrn 8 . Francescohatte sich gleich nach der Rückkehr aus Florenz den Grundstein zueiner schönen Bibliothek gelegt und bot nun mit einem Bücherver-zeichnis dem älteren Freunde die Mitbenutzung seiner Schätze an. Dieserbittet ihn erfreut um Mitteilung seiner Neuerwerbungen. Traversaribeschäftigte sich gern mit den heidnischen Autoren des Altertums, dochnoch näher lagen seinem Stand die Kirchenväter. Eine besondere Auf-merksamkeit Francescos ist daher das Geschenk eines Laktanz-Kodex.Traversari macht sich sogleich an die Verbesserung dieser Handschrift,und fortschreitend wird Francesco über die Ergebnisse dieser Arbeit un-terrichtet. Ganz ohne Anfechtung scheint aber die Vorliebe des Mönchesfür die alten Heiden nicht geblieben zu sein, da er sich gedrungen fühlt,solche Beschäftigung erst zu rechtfertigen. Doch diese Dinge des innerenGleichgewichtes mag er nicht dem jüngeren Freunde anvertrauen, erschreibt sie daher dem älteren Niccoli: «Ich möchte, treuester Freund,daß du überzeugt bist: niemals hatten wir bessere Lust, diesen höchstehrenvollen Studien uns zu widmen, als jetzt, niemals waren wir vonsträflichen Begierden freier, obgleich wir unseren Nacken unter ihrJoch zu beugen schon immer im Vertrauen auf die göttliche Gnadefür unter unserer Würde hielten 9 .» Traversari stellt Laktanz ebenso hochwie Cicero. Ein Jahr später macht ihm Francesco das Geschenk einerHandschrift mit den Briefen des hl. Basilius.
In seinem wissenschaftlichen Eifer verzeiht Traversari keine Nach-lässigkeit. Bei aller sonstigen Höflichkeit weist er den jüngeren Freundnachdrücklich zurecht, wo es sich um sachliche Mängel handelt 1 Bar-baro ist nicht der einzige venezianische Nobile, der von dem Unterricht