io6
V BARBARO ALS FREUND DER HUMANISTEN
Guarinos angefeuert sich eine Bibliothek zulegt. Sein etwas älterer, gleich-strebender Freund Leonardo Giustiniani hatte seine Levante-Geschäfts-verbindungen — denn er war nicht nur Staatsmann und Dichter, son-dern auch erfolgreicher Handelsherr — dazu benutzt, um sich in Cyperngriechische Handschriften zu verschaffen. Als Traversari davon hört,bittet er Barbaro, ihm das Verzeichnis dieser neuen Sammlung zu senden,findet aber den Katalog, den ihm Barbaro schickt, nicht zureichend undschreibt ihm: «Ich weiß nicht, ob du ihn geschrieben hast oder jemandanderes. Wie dem aber auch sei, ich möchte, daß du unsere Sorgfaltdarin nachahmest. Denn wenn ich derartiges an dich zu schreiben hätte,so würde ich es wirklich so machen, daß dir klar und deutlich bekanntwürde, was ich dir zu schreiben hätte . . . Ich wünsche nämlich, wenndu mir ein solches Verzeichnis anfertigst, daraus zu ersehen, was in jedemKodex einzeln enthalten ist, dann, welche Buchstabenart und -große ver-wendet wurde, und alles übrige, was du dir leichter selbst merken kannst,als daß ich es im Augenblick hinreichend bezeichnen könnte 10 .»
Einige Nebenpersonen treten in diesen Briefen Traversaris auf, die uns von der Höf-lichkeit und Herzlichkeit Barbaros Kunde geben. Da ist der Abt des Klosters, in demTraversari lebt, der den jungen Barbaro seit seinem Besuche sehr schätzt. Er wirdim ersten Brief erwähnt als: pater optimus atque sanctissimus vir, der FrancescosGrüße gnädig aufnimmt und ihn nebst seinem frühverstorbenen Bruder Zachariasin sein Gebet einschließen will. Dann soll Barbaro für den kränkelnden Mann gegendie Winterkälte ein warmes Kleidungsstück besorgen, und als er schließlich stirbt,gibt Traversari dem Freunde bewegt von dem Ableben des Oberen, der immer anseinen Geschicken so viel Anteilnahme gezeigt habe, Nachricht 11 . Eine andere Neben-person, die mit wenigen charakteristischen Strichen gezeichnet wird, ist der altegriechische Klosterbruder Demetrius, der die Handschriften sehr schön abzuschreibenweiß. Francesco hatte gebeten, Traversari möge den Xenophontischen Agesilaus ab-schreiben lassen, und zum Danke dafür möchte Demetrius von Francesco zwei weißeKapuzen besonderer Machart zum Geschenk erhalten, die es in Florenz nicht gibt.
Einen wichtigeren Einblick in die menschliche Art beider Freunde ge-währen die Berichte über die Aufnahme eines jungen Schutzbefohlenen,den er nach Venedig zu Barbaro schickte. Als am 13. Juli 1417 An-gelo Acciaiuoli, der künftige florentinische Staatsmann und Anhänger derMedici, nach Griechenland reiste, meldet ihn Traversari mit folgendenWorten an: «Jenen möchte ich dir wirklich so empfehlen, daß du deszarten Jünglings Sinn durch deinen gewaltig anfeuernden Hauch zum