BESUCH ANGELO ACCIAIUOLIS IN VENEDIG 107
Fortführen der Studien entzündest. Das kann nach meiner festen Über-zeugung durch niemand gehöriger, genauer und besser geschehen alsdurch dich. Obwohl er offenbar glühend genug nach diesem Zielestrebt und sucht, so wird es ihm meiner Ansicht nach viel helfen, wenndu ihn noch anspornst 12 .»
Francesco nimmt das Spiel der höflichen Worte auf und erwidert: «Denhochgeehrten und sehr gebildeten (humanissimus) Angelo Acciaiuoli ,meinen sehr heben Freund, dich wie mich und den gelehrten, klugenund beredten Feraldus beglückwünsche ich um solchen Schüler undsolchen Lehrer, so daß für beide Ehre und Lob zu erwarten steht.»Barbaro will seinerseits, wie das griechische Sprichwort besagt, denschon schnellfüßigen Lyder zum Laufen anfeuern, damit er durch seinenAngelo selber gelehrter und geehrter werde 13 .
Einige Wochen darauf kommt Traversari auf die Mühe, die Barbarosich mit dem jungen Acciaiuoli gegeben hat, zurück: «Was du mit unsermjungen herrlichen (clarissimus) Angelo getrieben und wie du ihn aufdie Bitte in meinen Brief hebevoll und schön behandelt hast und mitwelcher Besorgtheit du ihm alle Freundesdienste botest, das habe ichzuvor durch seinen und danach durch deinen Brief erfahren, undes hat mich eine oft erlebte Freude ergriffen. Doch habe ich mich dar-über am meisten gefreut, daß dieser Jüngling dich vollkommen undbis ins Innerste erkannt hat und zwar so erkannt hat, daß er in dirnicht, wie du sagst, Ambrogio — das wäre doch zu geringfügig ge-wesen — sondern den höchsten und mit allen Tugenden geschmücktenMann erkannt und hebgewonnen hat (agnovisse et amavisse) 13 ".» An-gelo Acciaiuoli habe sich schön so auszudrücken gewußt, es sei ihm beimEintritt in Barbaros Haus gewesen, als habe er die Inseln der Sehgenbetreten, und wenn alle «Barbaren» so wie dieser Francesco seien, somüsse er sein Vaterland verlassen und bis zu den Skythen, den Gara-manten und den Indern pilgern.
Traversari hat uns in einem andern Briefe 14 die interessante Nachricht be-wahrt, daß Barbaro, Cosimo de'Medici und Niccoli gemeinsam eine Reiseins Heilige Land unternehmen wollten, um griechische Handschriften zusuchen. Es ist beim Planen geblieben. Traversari äußert nämlich gleichBedenken, daß dem Vater des Cosimo die Entfernung des Sohnes nicht