erlauchte Fürst sehr leutselig und ehrerbietig mit einem großen Gefolge; erließ uns ihm zur Seite Platz nehmen. Als ich ihm dann nach Aufforderungmeines Barbaro auf lateinisch den Grund unserer Ankunft erklärt hatte,antwortete er angenehm, ohne Zögern und so hebenswürdig, daß er meinehöchste Bewunderung erregte und mich äußerst befriedigt mit der Er-mahnung entließ, auf dem begonnenen und eingeleiteten Werk eifrig zubestehen; auch sagte er mir seine Hilfe in allen Fällen zu ...» Nochüber die Hauptstadt hinaus reicht die Fürsorge Barbaros für seinenFreund. Als Traversari inTreviso eintrifft, kommen ihm dort die Adligenund Gelehrten voller Gefälligkeit entgegen, da sie dazu durch voraus-eilende Briefe Barbaros ermahnt worden waren. Auch ein Gastgeschenkhat Francesco für den alten Freund bereit: zwei griechische Hand-schriften mit den Psalmen und den selteneren Schriften des Gregorvon Nazianz . So haben die Beziehungen beider Männer bis zuletzt denCharakter gelehrten Austausches auf Grundlage persönlichen Wohl-wollens. Nur einen Ausschnitt aus dem Gesamtleben der beiden haben wirkennengelernt. Zur Ergänzung des Bildes Ambrogio Traversaris dientvor allem sein Briefwechsel mit dem ihm näherstehenden Niccoli. Dieserwirft ihm einmal in freundschaftlicher Weise vor, er sei von seinen frühernschlichten Mönchs- und Gelehrtenidealen abgewichen und habe ehrgeizigseine Augen auf die Kardinalswürde geworfen 16 . Aber weder dies nochTraversaris kirchenpolitische Stellung zu Papst Eugen IV. oder seineRolle auf dem Unionskonzil in Ferrara-Florenz, wo er die Unionsurkundein beiden Sprachen lateinisch und griechisch entworfen hat, spielen imBriefwechsel mit Barbaro eine Rolle.
Auch weniger erfreuliche Dinge hatten die beiden miteinander zu be-sprechen. Die Hauptaufgabe des Francesco Barbaro im humanistischenLager war Friedenstiften. Von früher Jugend bis kurz vor seinem Todemußte er von den Zänkereien seiner gelehrten Freunde hören. Da erselbst Besseres und Wichtigeres im Leben zu vollbringen hatte, als sich zustreiten, und andererseits einen von allen Parteien geachteten, lauterenCharakter besaß, war er der geeignete Mitder, um die mit recht üblerBeredsamkeit und Verleumdung verbrämten Streitigkeiten unter denitalienischen Humanisten beizulegen. Obwohl er die Schwächen jenerCharaktere von sich aus schwer begreifen konnte und er selbst den Anreiz