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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
Seite
108
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V BAR BAR O ALS FREUND DER HUMANISTEN

der Schmähsucht nicht kannte, die die Menschen von einer üblen Nach-rede 2ur andern treibt, ist es ihm zu wiederholten Malen gelungen, durchmaßvollen Zuspruch den Streit seiner nächsten Freunde beizulegen.Traversari schien der Erfolg zweifelhaft, zumal ihm seine eigenen Ver-mittlungsversuche eben gescheitert waren 17 . Es sind alles Skandalge-schichten, aber nicht um dessentwillen soll eine hier nacherzählt werden,sondern weil sie über die Schattenseiten des Verkehrs der berühmtenHumanisten Aufschluß gibt.

LeonardoAretinoBruni 18 war seit Jahren mit Niccoli eng befreundet.Er hatte viele seiner zur Veröffentlichung bestimmten Briefe an ihn ge-richtet um nur einen zu nennen, der ein Prunkstück humanistischerBriefschreibekunst geblieben ist: seine fesselnde Beschreibung der winter-lichen Reise über den Brenner und den Arlberg zum Konzil nach Kon-stanz. Nun brach aber zwischen Niccoli und seinen Brüdern ein uner-quicklicher Streit aus, der zu öffentlichem Skandal ausartete. Es drehtesich alles um eine Frau, die das Einvernehmen zwischen den alten Freun-den Bruni und Niccoli trübte. Bruni 19 berichtet darüber empört an dengemeinsamen Freund Poggio, der in jenen Jahren fern in London weilte.In diesem Brief nimmt er den Streit nich t als Einzelfall, sondern prinzipiellwichtig. Über Niccolis eingezogenes Leben erfahren wir zwar manchesaus der Grabrede, die ihm Poggio gehalten hat 19 , da aber Grabreden vomToten nichts als Gutes zu berichten wissen, ist in manchen Punkten eineErgänzung aus den Briefen der in leidenschaftlicher Fehde mit Niccolibegriffenen Humanisten nötig. In der Grabrede hören wir, daß er unver-heiratet geblieben ist, woran Poggio den bekannten Ausspruch Ciceros knüpft, daß Philosophie und Frauen auch für Niccoli nicht vereinbargewesen seien. Die Florentiner, welche das anhörten, mögen bei diesenWorten geschmunzelt haben, da Niccolis Geschichte mit der FreundinBenvenuta stadtbekannt war. Niccolis schlechtes Verhältnis mit seinenBrüdern rührte außer von Erbstreitigkeiten daher, daß er die besagteHaushälterin Benvenuta seinem Bruder Johannes abspenstig machteund nun mit ihr lebte, was an das Florenz des Decamerone erinnert.Bruni hielt sich zunächst zurück, erst als die Unverträglichkeit derBrüder Niccoli zu offenem Ausbruch kam, wurde er gegen seinen Willen