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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
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V BARBARO ALS FREUND DER HUMANISTEN

gelang den oberitalienischen Humanisten, den Guarino und Vittorinoda Feltre , besser als den Florentinern, den Niccoli und Poggio, ganzzu schweigen von Filelfo und Valla. Höher stand hier Francesco Barbaro ,der, wie schon anfangs bemerkt, unter den Schwankenden die feste Säulewar und andern die Stütze bot, an der sie sich immer wieder aufrichteten.Freilich hatte er auch nicht die Sorge ums tägliche Brot wie die berufs-mäßigen Humanisten, die vom Ertrag ihrer Feder lebten.Leonardo Bruni wollte Niccoli nur leichte Vorhaltungen machen, aberdieser war so gereizt, daß er seiner scharfen Zunge freien Lauf Heß undauf den bisherigen Freund allen Haß wegen der erlittenen Unbill ablud.Nun riß auch Bruni die Geduld, und er schrieb jenen offenen Brief anPoggio nach England, er erreicht ihn durch Cosimo de'Medicis Ver-mittlung aber erst bei der Rückkehr nach Italien in Rom aus dem wirdie Einzelheiten des Zwischenfalles kennen 20 .

Traversari und sogar Papst Eugen IV. 20 hatten vergeblich eine Versöhnungder Freunde herbeizuführen gesucht. Nun berührte Barbaro auf einerGesandtschaftsreise im Jahre 1426 Florenz und Rom, aber auch ihmgelang es erst nach längerer Zeit, volle Beruhigung zu schaffen. Wie er imeinzelnen vorging, erfahren wir nicht. Eine persönliche Aussprache inFlorenz scheint zu keinem Ergebnis geführt zu haben, denn in einemaufgeregten Brief Brunis an Poggio nach Rom, wohin Barbaro weiter-gereist war, zeigen sich seine Befürchtungen, daß man ihn vor Barbaroverleumden könnte.

«Du weißt, schreibt er an Poggio, wie hoch ich immer Barbaro ge-schätzt und mit welcher Anerkennung ich seinen Namen verbreitet habe.Das mag er von dir erfahren. . . Nichts anderes verlange ich von dirhier als die Wahrheit, und es würde mir sehr angenehm sein, wenn duBarbaro jenen Brief, den ich dir über die Streitsache selbst geschriebenhabe, zur Kenntnis brächtest, damit er sich nicht eine falsche Vorstellungmacht. Er wird nämlich merken, daß ich durchaus nicht in dem gelogenhabe, was ich an dich schrieb . . . Und damit du alles weißt, ich habe überdiese Dinge nicht mit Barbaro gesprochen, denn ich hielt es für besser,mich vor ihm zu stellen, als wüßte ich nichts von diesem Geschwür.Deshalb geh auch du, um dies zu heilen, so vor, als ob du nicht wüßtest,was du weißt. Ach, Poggio, alles ist voll von neidischen, übelwollenden