NICCOLÖ NICCOLI
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und widrigen Menschen. Doch glaub mir, hochgemut verachte ich sie.Um Barbaro glaubte ich kämpfen zu müssen, damit niemand sagen kann,ich hätte ihn mir durch Nachlässigkeit entfremdet 21 .»Wärmer noch klingt der Brief, den Poggio an Barbaro nach der endlichenVersöhnung richtet; es ist ihm ja damit ein schwerer Stein von der Seelegefallen; er hat Bruni gebeten, nun gleich den alten vertrauten Ver-kehr mit Niccoli wiederaufzunehmen. Für Barbaro ist er voller Lobund Dank: «Nachdem du von uns abgereist bist, habe ich nichts mehrvon dir gehört außer, — was mir sehr erwünscht ist — daß du denFrieden zwischen Leonardo Bruni und Niccoli hergestellt hast... Jeschwieriger die Sache war, um so größere Ehre hast du davon. Männ-licher Tugend fügt sich alles, und nichts ist so steil, daß sie es nichterstiege. Glaube mir, wir schulden dir um dieser Friedenstiftung willennicht weniger einen Triumphbogen als jenen alten Feldherrn für dieErrettung des Staates, es sei denn, man halte einen Krieg mit den Fein-den für wichtiger als die Friedenstiftung zwischen den Mitbürgern 22 .»
In Niccoli mag Barbaro Vorbild und Gegenbild zugleich gesehen haben:die Seiten der humanistischen Lebenshaltung, die er verehrend über-nehmen konnte, und die Schwächen des Menschen, die er meiden mußte.Eine kurze Charakteristik ausTraversaris Feder spiegelt dasWesenNiccolis(in einem Brief an Barbaro über Niccoli): «Du kennst mehr als genugden Charakter des Mannes, der zu Argwohn neigt und allzu leicht denstichelnden Stimmen sein Ohr leiht. . . Gut ist der Mann, gewiß, undlauter; meiner Meinung nach sollte ihm alle Jugend, wie er's verdient,Dank wissen, weil er sie außerordentlich zu den Studien anspornt. Vielhat er — wir wollen uns darüber nicht täuschen — zu der Bildung derMenschen (humanitas) in unserem Zeitalter beigetragen. Aber in diesereinen Sache darf man ihn nur in der Weise tadeln, daß man ihn hernachruhig, gleichmütig und gern erträgt 23 .» Wie Niccoli in seinem erziehe-rischen Eifer vorging, ist oft dargestellt worden; am anmutigsten plaudertuns davon der treffliche Florentiner Buchhändler Vespasiano da Bisticci 21 ,sein naher Freund. Wenn, was häufig geschah, ein junger Mann Niccolibesuchte, so drückte er ihm gleich ein Buch in die Hand und setzte ihn inseine Bibliothek, wo manchmal 12 solcher lesender Jünglinge anzutreffen
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