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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
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POGGIO BRACCIOLINI

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Bedeutsamer und reicher sind Barbaros Beziehungen zu dem größtenHumanisten seiner Zeit, zuPoggio Bracciolini . Ebenso ertragreichsind sonst nur seine Beziehungen zu Guarino und Flavio Biondo . DerBriefverkehr mit Poggio ist gedankenreicher als der mit Traversari. Esist wie eine Aussprache der beiden italienischen Hauptstädte Florenz und Venedig durch ihre berufensten Vertreter über die wichtigsten Fragendes Ruhms, über Religiosität und Mönchstum. Uber die beiden letztenFragen wird erst im nächsten Kapitel gesprochen, aber was Poggio anBarbaro über den Ruhm geschrieben hat, sei schon hier behandelt. Erbehandelt diesen Gegenstand nicht in einem seiner Briefe, sondern inder Barbaro zugeeigneten Widmung des Traktates über den Geiz 25 . Inmehrfacher Hinsicht hat es Bedeutung, daß Poggio diese Schrift geradean Barbaro richtete: «Da ja die meisten Sterblichen, mein Franciscus, sobeginnt Poggio, nicht leben, sondern das Leben laufen lassen (das einekönnen alle, das andre nur sehr wenige), so halte ich nur die für glück-lich, denen das Gottesgeschenk zufällt, daß sie sagen können: Wirhaben gelebt. Ich glaube, das trifft nur bei einigen Männern unsererZeit zu, die wegen der von ihnen geschaffenen Werke sehr gepriesenund einen Jahrhunderte dauernden Namen haben werden.»Worin besteht nun nach Poggio der Ruhm ? Wir befinden uns in einerPeriode, wo der Schriftsteller-Ruhm an erster Stelle steht und jede andreRuhmestat erst durch den Künder unsterblich wird. So huldigt er vorallem den literarischen Verdiensten Barbaros, Brunis und Guarinoswegen ihrer Übersetzertätigkeit und ihrer eigenen Werke: «wodurch sieder lateinischen Muse höchste Ehre und Zier erwarben». Diese Vor-stellung ist uns schon aus Francescos eignen Worten geläufig; neu istaber Poggios Einschränkung: «Freilich glaube ich nicht, daß ihnen dassehr schwer gefallen ist, da sie in griechischer Rede gebildet sind und injeglicher Art Wissenschaft hervorragen. Aber ich so scheint es mußeiner beschwerlicheren Arbeitsweise den Vorzug geben, da ich nicht zuunserm Gebrauch aus der griechischen Sprache übersetzen kann undauch meine Fähigkeiten nicht derart sind, daß ich wagen könnte, jetztetwas in die Öffentlichkeit herauszustellen.» Dies ist freilich etwasgespielte Autorenbescheidenheit. Da er seine Aufgabe darin sieht, dasaus einem Gespräch mit Freunden erwachsene Wissen zum Werk zu

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