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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
Seite
114
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Il6 V BARBARO ALS FREUND DER HUMANISTEN

gestalten, macht hier deutlich der Humanismus einen Schritt über diebloße Übersetzungsliteratur und die Traktate, die hauptsächlich inZitaten alter Schriftsteller bestehen, hinaus und glaubt dadurch einneues Ruhmesblatt in seinen Lorbeerkranz zu flechten.Solange Barbaro lebt, knüpft sich an ihn alles in den humanistischenWissenschaften fortschreitende Bestreben der Freunde, wenn ihm auchselber in unausgesetzten Staatsgeschäften, abgesehen von seinen Briefen,nicht mehr die Muße zu literarischer Arbeit bleibt. Er geht willig mit,auch als ihn einer der gelehrten Freunde, Biondo, auf das ihm fernerHegende Gebiet der mittelalterlichen Geschichte lockt. Mag in PoggiosWidmung wie in allen Widmungen viel Förmliches stecken, die Tatsache,daß der Florentiner keinem innerlich unbeteiligten Fürsten schmeichelnwill, sondern den durchaus sachkundigen venezianischen Nobile alsEmpfänger wählt, beweist, daß es ihm mit dieser Widmung Ernst ge-wesen ist: «Dir aber, mein Franciscus, dem Manne, dem Heben Freundeund dem hervorragenden Geist, durch dessen Mühe und Fleiß unsereSprache große Bereicherung erfahren hat, habe ich dies Büchlein, gleich-sam die Erstlinge meiner Studien, gewidmet und unterbreite es deinemUrteil. BilUgst du es, so gib es heraus, weil ich das Vertrauen habe, daßes auch von andern gebüligt werden wird, wenn es sich auf dein Ansehenstützen kann. Wenn nicht, dann wirf es ins Feuer, wie etwas, durchdessen Verlust nicht viel Schaden entsteht, denn es ist dienHcher, derFreunde Irrtümer zu unterdrücken, als sie auszusprengen. Aber umdeinen Spruch richtig fäUen zu können, höre, was die sagen, die sich hierunterhalten. Ich war mit dir vereint und auch sie, um in deiner Gesell-schaft besten und erfreuHchstenUmgang zu pflegen. Auch wenn sie selbstnicht schreiben, so hörst du doch ihre Unterhaltung, und wenigstensihnen zuHebe wirst du dies kleine Werk nicht verschmähen. Nimm esbitte an und sei ihm nicht so sehr herber Richter und strenger Schieds-mann als menschHcher und geschmackvoUer Beschützer.»Der eigentliche Briefwechsel zwischen den beiden beginnt unmittel-bar nach Abschluß von Barbaros DE RE UXORIA mit einem vomJuH 1417 aus Venedig nach Konstanz geschickten Sendschreiben Bar-baros 26 , das sich inhaltlich dem langen Brief an Lorenzo de'Monaciüber die Verteidigung der griechischen Studien anschließt. Francesco