POGGIOS HANDSCHRIFTENFUNDE
steht hier unter dem starken Eindruck des größten geisügen Ereignissesseiner Zeit, der Wiederauffindung vieler verloren geglaubter antikerSchriftsteller, deren in deutschen und französischen Klöstern unbeachtetvermodernden Handschriften Poggio und sein Gefährte nachspürten. Derjunge Francesco flammt in Begeisterung über die neuen Funde auf: seinBrief ist ein einziger Rausch. Worin Hegt nun für ihn der Wert desgroßen Ereignisses? Wieder ist es die Frage des Ruhms. Es ist seinepersönliche Lebensfrage, wie der Lohn des Lebens zu erlangen sei:durch geistige oder durch politische Tat. Er ist von der Bedeutung derStunde durchdrungen und überzeugt; er glaubt hier ein weltgeschicht-liches Ereignis von größerer Bedeutung mitzuerleben, als es die Politikjener Zeit ihm bieten konnte. Auch andere hatten den gleichen Eindruck,denn Guarino schreibt an Traversari 27 , daß die Auffindung der Hand-schriften wohl das einzige Ergebnis sei, das die Synode gezeitigt habe.Dieser geistigen Tat spricht Francesco in seiner Jugend den Vorrang vorallen politischen zu, bis er selber in späteren Jahren den Ruhm seinesLebens doch in staatlichem Handeln findet, wie wir es in der Abschieds-rede von Brescia aus seinem Munde vernehmen werden. Hier im Briefsucht er nach Humanistenart nicht in der zeitgenössischen, sondern manmerkt ihm an, daß er sich soeben eifrig mit römischer Geschichte be-schäftigt, denn ihm fließen die Beispiele, die er dort findet, vom Munde.Jedoch ist es nicht mehr wie im Briefe an Monaci das hastige Hervor-stoßen von einem Dutzend antiker Autoren, die ihm dem Namen nachbekannt sind; hier nützt er seine Belesenheit zu überraschenden Gedan-kensprüngen. So weiß er plötzlich etwas vom Kirschbaum zu sagen,der von Lukullus aus dem Pontus nach dem Mithridatischen Kriege inItalien eingeführt wurde, ferner wie Papinius die heute im Mittelmeer-gebiet weitverbreitete welsche Hagebutte aus Syrien brachte 28 . Wenn mandiese Obstsorten cerasia Luculliana und zizipha Papiniana zubenannthabe, so sei es nur recht und billig, wenn man die Früchte, die Poggioaus Deutschland nach Italien bringe, Poggiana benenne. Ein gewissesPrunken mit merkwürdigen Einzelheiten, mit der Fülle seiner Lesefrüchteist freilich nicht zu verkennen, zumal wenn man dies frühe Erzeugnismit den an rhetorischem Zierat armen, dagegen mit Lebensweisheitgefüllten Briefen seines Alters vergleicht. In derselben Weise wird von