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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
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116
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118 V B ARB ARO ALS FREUND DER HUMANISTEN

Francesco gerühmt, daß Poggio die alten Schriftsteller von den Totenauferweckt habe. Wenn dem Äskulap, der den Hippolytus aus der Unter-welt zurückgerufen habe, Tempel geweiht wurden, «was sollte ich, wenndiese Gewohnheit nicht schon längst außer Brauch gekommen wäre, wohlmeinen, das man euch antun müßte?» Die römischen Vorfahren hättenihren Eroberern und Kriegshelden einen Triumphzug auf das Forumerlaubt. «Wenn ich fährt Francesco fort an Würde und Ansehen so-viel vermöchte wie die Ansehnlichsten im geistigen Senat (in litterariosenatul) und im Hause der Musen, so würde ich für dich als den einesTriumphes Allerwürdigsten stimmen.» Wir dürfen hier einen innerenZusammenhang mit der Stelle aus Poggios Brief nach der Beilegung vonBrunis Streit mit Niccoli annehmen: Erst beglückte Barbaro seinen FreundPoggio dadurch, daß er ihn der allerhöchsten Ehrung, die der römischeSenat verlieh, für würdig erklärte, und später erwiderte Poggio mit der-selben Höf lichkeit dem Freunde, als es diesem gelungen war, die Einigkeitunter den Gelehrten wiederherzustellen. Barbaro wünscht dem glücklichenFinder nicht nur vergangene Ehren, die nicht mehr zu verwirklichensind, sondern macht ihm Hoffnung auf gegenwärtige, denn er rechnetwie alle seine übrigen humanistischen Freunde damit, daß aus dem be-vorstehenden Konklave der den Humanisten günstige Kardinal Zabarellaals Papst hervorgehen würde; das wurde jedoch durch den vorzeitigenTod des Kardinals vereitelt. Damit fielen auch alle Erwartungen, vondenen Poggio geträumt hatte, dahin er verlieh ihnen noch einen letztenAusdruck in der schönen Grabrede für Zabarella 29 . Man erwählte Kar-dinal Oddo Colonna und dieser gab ihm als Papst Martin V. kein Amtan der Kurie.

Bald darauf schrieb Barbaro wieder an Poggio, wie wir aus dessen Antwort 30 ersehen,die erhalten blieb. Guarino hatte durch seinen Schüler anfragen lassen, ob nach derPapstwahl für ihn die Aussicht einer Anstellung als päpstlicher Sekretär bestünde;da er sich selbst im Amte nicht halten kann, muß Poggio durch Barbaro eine ab-schlägige Antwort erteilen. Dann weiht er den jungen venezianischen Freund in diepolitisch sehr unerfreulichen Verhältnisse der Neubildung der Kurie unter Martin V. ein. Barbaro hatte ihn zu der Wahl des neuen Papstes beglückwünscht, aber Poggiomeint kühl, das sei ein Ereignis, das vielleicht von öffentlichem, aber von keinemprivaten Nutzen für ihn sei. So sehr schwillt ihm der Ekel über den Geiz und die Hab-gier, die sich an der Kurie breitmachen, daß er ein neues Vaterland unter anderm