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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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Seite
117
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POGGIO IN ENGLAND

II 9

Himmelsstrich bei den Briten suchen will, deren Reich vom übrigen Erdkreis fast ganzabgeschnitten ist. Er war dorthin von dem reichen Bischof von Winchester, späterenKardinal Henry Beaufort , eingeladen, der ihn dann aber durch seine Knauserigkeitbitter enttäuschte. Er riß sich schwer von der ihm unergiebigen Kurie los, der ervon Konstanz über Genf noch bis Mantua folgte, um überstürzt nach England zureisen. Von diesem Ringen um den Entschluß zeugt eine italienische Redensart eineSeltenheit in einem humanistischen Brief; er klagt, daß die Prälaten der Kurie täg-lich von ihm Abschriften der Ciceroreden haben wollten, aber für seine Anstellungkeinen Finger rühren, so daß er das Leben bei ihnen satt habe: Chi ne vuol piü, se nepeschi, che la mia rete e rotta 30 . Barbaro und die andern italienischen Freunde Poggioswaren erschrocken und bestürzt über seinen plötzlichen Entschluß und schrieben ihm,daß er doch einen so verzweifelten Schritt unterlassen solle 31 , aber als Poggio durchdie neue Kanzleiordnung Martins v. sein Amt und seine Einkünfte noch mehr ge-schmälert sah, riß ihm die Geduld und er reiste, ohne sich von den Freunden zuverabschieden, nach dem Norden. Der englische Aufenthalt ist für den Italiener damals wir hören dieselben Klagen über dieses Land auch bei einem andern Freunde Bar-baros, Pietro del Monte, eine trübe Zeit, in der ihm Gewissensskrupel kommen under von der Sehnsucht nach dem geistvollen Umgang mit den heimischen Freundenverzehrt wird. Um über die geistigen Entbehrungen hinwegzukommen, mästet sichPoggio bei den endlosen englischen Gastereien ein Bäuchlein an, worauf er FreundNiccoli humorvoll vor der Heimkehr vorzubereiten für nötig befindet 32 .

Poggio war noch nicht lange in England , so schreibt er schon an Nic-coli 33 , er habe die Absicht, sich an Barbaro und einen andern ihm be-kannten jungen Vene2ianer zu wenden, damit ihm diese eine Stelle inVenedig verschafften. Aber seine Bemühungen blieben vergebens.Worauf ist es wohl zurückzuführen, daß all den humanistischen Ge-lehrten jener Zeit eine Ruhelosigkeit und Unstetheit anhaftet, so daßihre Lebensflamme so flackrig brennt, während der Erdenlauf unseresVenezianers immer gleichmäßig erleuchtet ist? Das ist nicht so sehreine Frage der äußeren Lebensbedingungen, sondern mehr eine derverschiedenartigen Charaktere. Die eigentlichen Humanisten von Beruf,die Poggio, Guarino, Filelfo und Valla waren freilich das muß immerwieder betont werden alle von Haus aus Leute ohne Vermögen, diesich durch ihre Feder und durch wohlgesetzte Reden ihr Brot erwer-ben und nach Fürstengunst gehren mußten, während vornehme Herrenwie Lorenzo de'Medici und Francesco Barbaro reich genug waren, umnicht gezwungen zu sein, aus ihren humanistischen Fähigkeiten, die sieals Liebhaber übten, eine Geldquelle zu machen. Infolgedessen kann ihr

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