POGGIO UND B ARB ARO
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Jetzt (nach einem halben Jahre) würde ich ein drittes Mal an ihn schreiben,wenn ich nicht genau wüßte, daß mir das nichts hülfe. Allerdings wundereich mich außerordentlich, daß er, der andern in den geringsten DingenLebensregeln gibt, es selber in den höchsten fehlen läßt.» Das ist deut-lich ein Hieb gegen DE RE UXORIA. Barbaro war aber wirklich durchsein erstes Staatsamt ganz in Anspruch genommen, das sieht dann auchPoggio ein. Ein Jahr später erwähnt er in einem weiteren Brief anGuarino, daß er höre, Barbaro sei von seiner öffentlichen Tätigkeit (jetztals Podestä von Vicenza ) dermaßen in Anspruch genommen, daß er nichtmehr zum Schreiben käme. Diese Klage hören wir von nun an recht oftvon den Humanisten, denn seine Anteilnahme wandte sich allmählichvon ihren Dingen einem weiteren politischen Kreise zu, ohne ihn des-halb den Bahnen der alten Freunde, welchen er anfangs ausschließlichgefolgt war, zu entfremden. Die Beziehungen Poggios zu Barbaro inihrem späteren Leben sind zu sehr mit andern Personen und Ereignissenverflochten, als daß wir sie hier im Zusammenhang berühren könnten,doch wird uns Poggio wie bisher so auch später noch manchmal begegnen.
Da Guarino Veronese die Hauptrolle in der Jugend Francesco Bar-baros gespielt hat, ist seine Freundschaft zu dem Studenten bis zumJahre 1415 in den früheren Kapiteln schon zur Darstellung gelangt.Guarino ist uralt geworden und überlebt den so viel jüngeren Freundnoch um sechs Jahre. Er kann dessen ganzes Leben überschauen; anallen wichtigen Einschnitten seiner Laufbahn hören wir die bewun-dernde Stimme des alten Freundes. Guarino war ein hingebender Lehrerund fachte seine eigne Lebensflamme durch solche Begeisterung amCharakter und den Leistungen seiner Schüler immer von neuem froh an.Besonders erfreut es ihn aber, wenn Dritte seine Schüler lobten.In späteren Jahren ist sein Lieblingsschüler Lionello d'Este , wie in denfrüheren das venezianische Doppelgestirn Giustiniani-Barbaro. Einembefreundeten Staatsmann, den Barbaro erfolgreich bei seiner Bewer-bung um das Amt des Podestä in Florenz unterstützt hatte 36 , schreibtGuarino 37 : «Nicht weniger erfreulich ist es mir, daß du die ArbeitenGiustinianis und Barbaros so sehr lobst (es sind die Plutarchüberset-zungen); ich sage das nicht deshalb, weil man behauptet, das den beiden