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V BARBARO ALS FREUND DER HUMANISTEN
gespendete Lob fiele irgendwie auf mich zurück, sondern weil ich durchdein so ernstes und gelehrtes Zeugnis mein Urteil über jene bestärke. Ichhabe sie immer so für die beiden Leuchten der Beredsamkeit gehalten,daß ich nicht sehe noch zu sagen wüßte, wem sie nachstünden. EtwasEindrucksvolles ist wirklich bei beiden ihre vorzügliche Belesenheit(litteratura), Gelehrsamkeit und Kunst, in denen sie sich hervorragendbildeten. Und nun gar göttliche Tugend, Geistesgröße, feierliche Würdeund Entschlußkraft, Unantastbarkeit, feine Sitten, Gerechtigkeit undausnehmende Weisheit I Das sind alles Dinge, die an ihnen zu verehrenund zu feiern sind.»
Keiner der Humanisten hält mit seinen innigen Empfindungen für seineFreunde weniger zurück als Guarino. Die gleichen herzlichen Gefühlewie in seinem ersten Briefe bringt er auch dem nun ganz Erwachsenenentgegen, weiß er doch an Traversari 38 zu berichten: ob man nun Briefedauernd wechsle oder nicht — die Freundschaft sei unabhängig davonund fest zwischen ihnen gegründet 38 . Bald nach dem Erscheinen desWerkes seines Schülers: DE RE UXORIA entschloß sich Guarino fastzur gleichen Zeit wie Francesco selber zum Heiraten 39 .In einem Brief Guarinos an Corbinelli 40 , seinen ehemaligen Gastgeber zuFlorenz, zeigt sich, wie notwendig die Mahnung zum Ehestand, dieBarbaro aussprach, für seine gebildeten Zeitgenossen war, denn auchGuarino, der in den besten Mannesjahren stand, muß sich erst verteidi-gen, daß er heiratet. Dies ist noch etwas anderes als bei Poggio, der erstin höherem Lebensalter eine Schrift zur Verteidigung seiner Ehe an seineFreunde richtete. Um den Widerrat des hagestolzen Corbinelli zu entkräf-ten, der ihm wie üblich vorhält, daß die Ehefrau das freie Philosophen-leben hemme, brauchtGuarino jetzt nur auf Barbaros Schrift zu verweisen.Ihm bedeutete die Gattin die Helferin für seine erzieherischen Aufgaben,denn zu seinen zahlreichen Söhnen nahm er noch mehrere Zöglinge insHaus, die mit den eigenen Kindern erzogen und unterrichtet wurden.Im Briefwechsel der Freunde spielt bald der Neffe Barbaros, Ermo-lao, den er nach dem Tode des Bruders zu erziehen hatte, eine großeRolle 41 . Ermolao wird Schüler Guarinos, der infolge eines Lehrauftragsin seine Vaterstadt übersiedelte; in den Briefen jener Jahre klingeneigene Jugenderinnerungen nach, die in Francesco wach werden, da er