Druckschrift 
Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

GUARINO VERONESE

123

um das Wohlergehen und das Fortkommen dieses Neffen fast mehrbesorgt ist als um den eigenen Sohn. So schreibt er im Sommer i42i 4a :«Ich kann nicht sagen, wie glücklich ich darüber bin, daß er eine Zeit-lang bei dir sein kann. . . Mit Maria (der Gattin Barbaras) weiß ichhöchsten Dank auch Taddea (Frau Guarinos), die ihre treue Ergebenheit(pietas) gegen dich an unserm Ermolao deutlich zeigt, . . . ermahneErmolao, er solle täglich bedenken, daß er bei dem besten und weisestenLehrer ist, damit er leiste, was man von ihm erwarte»; eine ähnlicheErmahnung schreibt er auch an den Neffen selbst. Welchen sittigen-den und bildenden Einfluß Guarinos Unterricht auf seine Hörer jedenAlters hatte, gibt die Grabrede des Carbone 43 mit beredten und be-geisterten Worten wieder: «Niemand hielt sich für edel, niemand derlauteren Seite des Lebens zugehörig, wenn er nicht Guarinos Schüler war;dadurch wurden in kurzem die Unsrigen aus den düstersten Finsternissenins wahre und leuchtende Licht emporgeführt: über Erwarten ragten allehervor an Beredsamkeit, Bildung, und machten sich durch ihre gefeilteRede angenehm.» Von ähnlicher Sorgfalt in der Erziehung wie beiErmolao hören wir auch bei dem Sohn Leonardo Giustinianis, Bernardo,den der Vater noch als Vierundzwanzigjährigen zur besonderen Aus-bildung zu Guarino nach Ferrara schickt. Die Mühe hat in beiden Fällengefruchtet, denn sowohl Ermolao Barbaro als auch Bernardo Giustinianisind hochbedeutende Männer geworden, die in der Geschichte des Huma-nismus unvergessen blieben.

Schon in seinem ersten Brief schreibt Barbaro während der Pest, die inVenedig wütet: «Ich möchte nach Verona reisen, um mit dir zusammenzu sein und mit den alten Bekannten wieder Freundschaft zu schließen,d. h. mit den Büchernaber diese viertägige Flußfahrt (stromaufwärts dieEtsch) erscheint den Ärzten hier, die sich sehr weise dünken, zu gefähr-lich 42 .» Der nächste Brief weiß von noch größerer Sorge und Trauer zuberichten, «denn da in Venedig zu unserer großen Not die Pest wütetund unser guter und lieber Schwager Niccolö de'Priuli gestorben ist,so müssen wir nach besten Kräften dafür sorgen, daß uns Ermolaoerhalten bleibe, zumal ich schon längst nicht mehr weiß, durch welchesVerhängnis der Tod mir alle entreißt, die meinem Erdenlos eine Zierdeund Hilfe sein können und wollen. Doch muß das mit großem und