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V BARBARO ALS FREUND DER HUMANISTEN
unbesieglichem Geiste getragen werden, weil wir mit solchem Losgeboren sind, daß wir alles, was uns Widriges 2ustößt, maßvoll undweise überstehen sollen. Aber ich kehre zu Ermolao zurück. Was 43 duvon der Klugheit des Ermolao schreibst, ist mir sehr willkommen.Ich sehe, daß er der Natur und der Vernunft folgt, die Führer und Be-gleiter zu gutem Leben sein sollen 44 .» Die Klugheit des Neffen bestehtdarin, daß er zur Winterszeit, wo draußen zudem noch die Pest wütet,Heber bei seinem Lehrer Guarino in Verona bleiben will. Der Oheimsieht das gleich ein und läßt von dem Wunsche, Ermolao bei sich zuhaben, ab. Um den beiden in Verona zu beweisen, daß er nicht nur ansich denke, sendet er Ermolao Wintersachen gegen die Kälte.Im nächsten Jahre, 1422, begleitet Ermolao den Guarino in den Sommer-aufenthalt im Val Policella, das sich nicht weit von Verona ins Gebirgehinaufzieht, übersetzt dort aus dem Griechischen 3 3 Äsopfabeln ins La-teinische 45 und widmet sie Traversari. Er war damals 14 bis 15 Jahre alt.Von dieser Erstlingsleistung des neuen gelehrigen Sprosses des HausesBarbaro machten die erfreuten Humanisten viel Rühmens. Guarinoaber nannte seinen zweiten Sohn Äsop, vielleicht weil dieser gerade da-mals geboren wurde, als der Vater mit Ermolao die Fabeln las 46 . Die bei-den Freunde scheinen sich darin gefallen zu haben, die Jugend Ermolaosin ähnliche Bahnen zu lenken, wie sie Francesco ehemals durchschrittenhatte, denn auch sein Neffe wird in jungen Jahren nach Florenz geschickt,um sich am Hauptsitze des Humanismus den alten Freunden seinesVaters und seines Onkels vorzustellen. Wie jener dann nach der Rück-kehr einem der Florentiner sein Werk DE RE UXORIA widmete, sowidmet Ermolao seine Übersetzung dem alten Traversari I Als der Neffeaus Florenz heimkehrte, unterzog ihn Francesco einer strengen Prüfungseiner Kenntnisse 47 und da er zu seiner Freude bemerkte, daß dieserschon sehr vorgeschritten war, gab er ihm Anweisung, wie er sich nochweiter vervollkommnen könne 48 .
Am Ende dieses Jahres hat Francesco wieder große Sehnsucht nachdem Neffen und nach Guarino; aber dieselben Gründe wie im vorigenWinter vereiteln wieder den Besuch der beiden. Guarino begründet esanschaulich: «Ich komme den Weg nur mit dem Schreiberohr. Zu dieserJahreszeit, glaube mir, werde ich zu Fuß dorthin nicht kommen; du