125
weißt doch, welches Winterwetter bevorsteht, von oben Regen und untenschlüpfrige Wege mit stehendem Wasser und Schmutz, so daß ich mirvorkomme, als würde ich nicht zur Schlemmerei, sondern zum Schlammgeladen. (Im Lateinischen das Wortspiel zwischen coena und caenum.)Nicht weniger um mich als um Ermolao in Sorge werde ich daher dieReise auf eine andere Zeit verschieben. Je zarter noch sein Alter ist, um soweniger darf man ihn der Kälte, den Regengüssen und dem Straßenkoteaussetzen. Es gilt mehr für die gute Gesundheit, als für das Vergnügendes Jungen zu sorgen 49 .» Guarino hatte vorläufig seineVergilhandschriftdem Ermolao geliehen. Im nächsten Brief kann er Francesco, der inzwi-schen dem Neffen die eigne geschickt hatte, deren Empfang bestätigen 50 .Wie einst Francesco bei dem älteren Trevisan, dem Podestä von Padua ,Gastfreundschaft und Förderung erfahren hat, so weiß auch Guarinozu berichten: «Der tapfere, weise und vor allem leutselige Podestä (vonVerona , Andrea Mocenigo, er war der Bruder des verstorbenen Dogen)befiehlt, daß ich ihm den Ermolao wenigstens an den hohen Festtagenzu Tisch schicken soll, worin ich ihm willfahren werde, damit er ihmdie Freundschaft erhalte und mehre und außerdem ihn schon in frühemAlter an den Umgang mit bedeutenden Männern gewöhnte 61 .»Hatte Guarino im Drange seiner ihn sehr beanspruchenden Tätigkeitwohl einmal erklärt, es käme in der Freundschaft gar nicht darauf an,daß man sich häufig schriebe, so war das eine ihm gerade gelegeneEntschuldigung, wenn er nicht zum Schreiben kam; doch die erhaltenenBriefe, man zählt an tausend, die über aller Herren Länder in Hand-schriften verstreut liegen, — wohl jeder seiner zahlreichen Schüler nahmals lebendiges Andenken an den verehrten Lehrer eine Abschrift einigerder schönsten mit — zeigen, daß er tatsächlich nicht darauf verzichtenwollte, mit Nahen und Fernen in schriftlichem Gedankenaustausch zubleiben. Vornehmlich gilt dies für Francesco Barbaro . Die Briefanfängean ihn sind häufig enthusiastische Huldigungen 52 .«... er brachte mirdeinen liebsten Brief — schon sein Anblick hat mich vom Scheitel biszur Sohle überreich gemacht mit Jubel, Wonne und Süße. Kann ichdoch nicht anders, als mich selber hochschätzen, der ich weiß, wiesehr ich von dir geliebt werde; warum soll ich nicht endlich aucheinmal aus mir etwas machen, da ich dir wohl gefalle — du pflegst dich