DIE BEKANNTSCHAFT MIT BIONDO
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der Anteilnahme seines Gönners bedürftig. Das forderte unwillkürlichdie Güte seines vermögenden Freundes heraus, ihm mit Tat 54 und er-mutigendem Wort in seinen Nöten beizuspringen. Biondo verband mitseiner großen Gelehrsamkeit und seinem emsigen Forscherfleiß dieFindigkeit und Eignung zum politischen Beamten: das empfahl ihn demStaatsmann. Endlich wird es für Barbaro einen besonderen Reiz ge-habt haben, durch den großen Geschichtsschreiber, den er in Biondowitterte, geistige Bereiche eröffnet zu sehen, die er in seiner Jugend nochnicht berührt hatte, ganz zu schweigen von der Freude, die jeder Renais-sancemensch empfindet, wenn der Historiker sich zum Herold seinerTaten macht und die Kunde von ihm der Nachwelt erhält.Er lernte wahrscheinlich den Gelehrten durch Guarino kennen. Biondowuchs von den Humanisten unbemerkt in seiner Vaterstadt Forll auf undkam erst im Jahre 1420 mit ihnen zu Venedig — wie wir hören: mitGuarino und Giustiniani — in Berührung. Nach seinem ersten Hervor-treten hatte er bald eine gewichtige Gabe mitzubringen, die die Aufmerk-samkeit auf ihn richten mußte. Ein Bischof von Lodi findet eine ver-schollene Handschrift von Cicero auf, die den ORATOR und den BRUTUSenthielt 55 . Biondo unterzieht sich, als er in amtlicher Eigenschaft 1422von Forll nach Mailand gesandt wird, der Mühe, die Schrift Brutus zuentziffern und abzuschreiben, dann teilt er sie den genannten venezia-nischen Humanisten mit. Guarino ist wie immer entzückt über den Fundsowohl als auch über den Finder und nimmt Biondo in den engerenKreis seiner Vertrauten auf, so daß er schon 1420 mit Barbaro bekanntsein kann. Guarino bedankt sich bei einem Dritten, der Biondo zuihm gebracht hat: «Gute Götterl Was für ein Mann ist unser Flavius,den sie Blondus nennen 56 !»Wenn auch die schmückenden Beiworte, mitdenen sich die Humanisten gegenseitig auszeichnen, zu stehenden Redens-arten werden, die nichts Auffälliges bezeichnen, so kommt doch in denpaar Worten Guarinos über Biondo zum Ausdruck, welchen Eindruckder stille Gelehrte aus Forll durch seine persönliche Bescheidenheit unddurch seinen Bienenfleiß machte; schließlich erkannte Guarino hinterdiesen schlichten Eigenschaften ein gut Teil Begabung, so daß er den Tag,an dem er ihn kennenlernte, in angenehmer Erinnerung behielt 57 . Biondokehrte damals wieder in die Heimat zurück, wo er als Stadtschreiber tätig