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V BARBARO ALS FREUND DER HUMANISTEN
war. Als er sich 1423 an einer mißglückten Verschwörung zur BefreiungForlls von den Stadttyrannen, den Ordelaffi, beteiligte, — die Stadt fielstatt dessen dem Visconti von Mailand in die Hände — mußte er aus seinerVaterstadt weichen und anderswo sein Brot suchen. Er wandte sich nachdem Norden. In diesem Jahre 1423 aber fand er in Venedig wederGuarino noch Barbaro vor. Dieser hatte seinen ersten Verwaltungs-posten in Treviso angetreten, und jener war damals schon in Verona .Guarino erwartete den Flüchtling dort und machte ihm in einem BriefeVorwürfe, daß er sich in seiner Not nicht gleich an ihn gewandt habe 58 ;aber Biondo scheint es vorgezogen zu haben, sich nur vorübergehend inVerona aufzuhalten und dann nach Treviso zu Barbaro zu gehen. Vielleichthatte dieser ihn eingeladen, um ihm bei sich eine Beschäftigung zu geben,denn Guarino schreibt an Biondo befriedigt 59 : «Es gefällt mir, daß duden Weg zum Amt gefunden hast, in dem du deine Weisheit und Red-lichkeit; ohne sie zur Schau zu tragen, still wirken lassen kannst.» Auchdiese Worte beweisen, daß Biondo ein emsiger, aber mit seiner Lei-stung sich nicht vordrängender Beamter war. Von seinem Aufenthaltein Treviso wissen wir nur mittelbar, denn als Ende 1423 die einjährigeAmtszeit Barbaros abgelaufen war, erkundigt sich Guarino bei Biondo,wo er eigentlich sei, in Treviso oder schon in Venedig 80 . In den nächstenJahren bekleidet Biondo venezianische Staatssekretärposten in den Städtender Terra ferma 61 ; Barbaro hilft ihm bei Erwerbung des Bürgerrechtes 82 .Er fühlt sich als Venezianer, so daß er auch die Rückberufung in dieHeimat ausschlägt, als 1425 seine Verbannung inForll aufgehoben wird.Am 22. Juni 1430 teilt Barbaro seinem Freunde Biondo mit, daß er soebenmit höchster Zustimmung der Räte (maximo consensu comitiorum —d. i. der Signorie und des venezianischen Senats) zum Podestä von Ber-gamo bestimmt worden ist: «Deswegen, fährt er fort, liegt mir vieldaran, den Staat und alle Welt in ihrer großen Erwartung zufrieden-zustellen. Da ich mir von deiner Treue, Klugheit und Tüchtigkeit sodenkbar viel verspreche, so bitte ich dich inständig, mir während diesesStaatsamtes beistehen zu wollen 83 .» Barbaro macht darauf aufmerksam,daß das Amt eines Kanzlers bei den Venezianern an sich schon eine hoheEhre sei.—Es war das einzige höhere Amt, das in Venedig an Nichtadeligeverliehen wurde. — Er verspricht durch sein Zutun es noch ehrenvoller