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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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V BARBARO ALS FREUND DER HUMANISTEN

als Widmungsschreiben vor die Schmähschrift zu setzen, so daß Tra-versari in helle Verzweiflung geriet, weil sein geistlicher Stand durchdiese Zueignung bloßgestellt sei und alle glauben müßten, er begünstigediese Scheußlichkeiten 103 . Am peinlichsten ist ihm aber der Gedanke,daß Barbaro derselben Meinung sein könnte, da Filelfo sein Machwerkwahrscheinlich auch ihm übersandt habe. Aber derselbe Verdruß wurdeauch Barbaro bereitet, denn Filelfo widmete ihm seine zweite Satire gegenNiccoli 104 , wie es später Lorenzo Valla mit dem Antidoton gegen Poggiomachte. Diesmal ist es Francesco Barbaro nicht geglückt, den Streit bei-zulegen, denn Niccoli starb darüber, und der Hader nahm in Florenz immer wüstere Formen an. Cosimo, der Schützer Niccolis, wurde hinein-gezogen, da Filelfo zürnte, daß er nicht für ihn Partei ergriff. Immerheißer wurde ihm der florentinische Boden unter den Füßen. Er fühltesich überall eingeengt und ungerecht behandelt, besonders weil der gegenihn eingenommene Rektor einen Straf befehl erließ, da Filelfo nicht zueiner Prozession erschienen war, an der die gesamte Dozentenschaftteilnehmen sollte. Dann kam es so weit, daß jener feindselige Rektoreinen Meuchelmörder dang, dem Filelfo mit knapper Mühe entging.Kein Wunder, wenn er an Barbaro schrieb, daß er nicht mehr gern inFlorenz sei, jedoch bis zum Ablauf seines Vertrages ausharren müßte 105 .Während der nur ein Jahr dauernden Verbannung der Medici nahmFilelfo Partei gegen sie und war so maßlos, ihre Feinde aufzustacheln,Cosimo hinzurichten, statt ihn in die Fremde zu schicken, wo er zumächtig und gefährlich bliebe. Bei der Rückberufung Cosimos mußteFilelfo aus der Stadt weichen 106 und begab sich zur weiteren Krieg-führung mit der Feder nach Siena. Als aber sein Widersacher auch dort-hin den Mörder nachsandte, den man faßte und ihm eine Hand abhieb,da fühlte sich Filelfo seinerseits berechtigt, einen Meuchelmörder gegenCosimo nach Florenz zu senden. Auch der wurde erkannt und beiderHände beraubt, um keinen Schaden mehr anrichten zu können. Als mandurch das Verhör herausbekommen hatte, wer der Anstifter dieses Mord-versuchs war, wurde Filelfo in contumaciam verurteilt, man werde ihmdie Zunge herausschneiden wenn er im Stadtgebiet betroffen würde. DasMerkwürdige für uns es läßt sich nur aus der Zeit und ihrer Gewöhnungan derlei Greuel erklären hegt darin, daß Filelfo durch dieses Betragen