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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
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VI RELIGIÖSE VERTIEFUNG

wo wir ihn nach der Veröffentlichung von DE RE UXORIA fallen ließen,um sein Uterarisches Schaffen, seine humanistischen Beziehungen, schließ-lich seinen religiösen Standpunkt im Zusammenhang darzustellen.Das Jahr 1419 war ein bedeutsamer Abschluß und Übergang in BarbarosLeben. In seiner Schrift über den Ehestand hatte er für sich und die ihmGleichstrebenden die Richtlinien des häuslichen Lebens gezogen, umdarüber Klarheit zu gewinnen, wie er sein eignes Leben einrichten solle.In diesem Jahre nun heiratet er Maria 21 , die Tochter des Pietro Loredano ,eines einflußreichen venezianischen Staatsmannes, von dem wir nochhören werden. Aus Barbaros Ehe, von der wir so gut wie nichts wisseneinige Male wird in Briefen seine Frau Maria gegrüßt ging neben vierTöchtern unbekannten Geburtsdatums im November 1422 als einzigerSohn Zacharias hervor 22 , den der Vater ganz in humanistischem Sinneerzog. Aber kurz nach der Hochzeit wurde ihm die Sorge für die hinter-lassene Familie seines älteren Bruders Zacharias, der ihn einst an VatersStatt erzogen hatte, aufgebürdet. Wir sind über dieses bisher nicht ein-mal zeidich genau festsetzbare folgenschwere Ereignis im Hause Bar-bara jetzt näher unterrichtet, denn neben der eingangs untersuchtenCommissaria di Ser Candiano Barbaro, die das wichüge Testament desVaters enthielt, fand sich ein freilich halbverbranntes Heft mit der Com-missaria des frühverstorbenen älteren Bruders Zacharias, für dessenunmündige Kinder die Prokuratoren von San Marco die Hinterlassen-schaftsverwaltung übernehmen mußten 23 . Aus den gebräunten Schrift-zügen läßt sich der Hergang des für die Familie erschütternden Ereignisseswohl so deuten: Der ältere Zacharias, ein Mann in den Dreißigern, aucher wie sein jüngerer Bruder Francesco eine Hoffnung der Humanisten,wird plötzlich von tödlicher Krankheit befallen und ruft am 4. März1419 einen Notar zu sich, den er ersucht, nach seinem Ableben dasTestament zu eröffnen. Zacharias hinterließ drei Söhne und zwei Töch-ter; von einer dritten schreibt er im Testament, daß sie schwer kranksei; von fremder Hand ist ihr alsbald darauf erfolgter Tod vermeldet.Noch trauriger ist die Erwähnung seiner Frau Lucrezia; sie sei, alser dies niederschreibe, schwanger, und die fremde Hand setzt hinzu:sie starb noch vor ihrem Manne. Da auch von dem Neugeborenennichts in den Akten steht, so muß sie wohl an der Geburt des Kindes,