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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
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VI LAUFBAHN ALS STAATSMANN

über seinen Besitz und seine Häuslichkeit äußert, nur in späteren Jahren besaß erein Landhaus in SanVigilio bei Treviso so enthält diese Testamentsverfügung seinesBruders das einzige, was wir darüber wissen.

Francesco war 29 Jahre alt, als ihn der schwere Verlust des Bruders traf.Die Art, wie er den Schicksalsschlag trug, blieb den Zeitgenossen imGedächtnis. Filelfo berichtet: Als die venezianischen Edelleute kamenund ihn trösten wollten, habe er ihnen gegenüber eine so gefaßte Hal-tung gezeigt, daß sie mit dem Eindruck weggingen, sie wären von ihmgetröstet worden, nicht er von ihnen 25 .

Im selben Jahre 1419 wurde Francesco Barbaro in den venezianischenSenat gewählt. Die staatsmännische Laufbahn der jungen Edelleutebegann in Venedig in der Regel mit dem vollendeten achtzehnten Lebens-jahr. Dann begaben sie sich in Begleitung ihres Vaters oder Vormundesvor die Behörde der Balla d'oro, wo mit einer goldenen Kugel über dieAufnahme in den großen Rat abgestimmt wurde. Für Francesco mußdiese Vorstellung im Jahre 1408 oder 1409 durch seinen Bruder Zachariaserfolgt sein, bevor er zum Studium nach Padua ging. Obwohl die vene-zianischen Behörden sonst schon seit dem Jahre 1406 ihre Listen bis andas Ende der Republik pünktlich geführt haben, findet sich in demBuche der Balla d'oro auf dem venezianischen Archive die AufnahmeFrancescos noch nicht verzeichnet, jedoch erscheint er später dreimal vordieser Behörde mit zwei seiner Neffen und seinem Sohne und beschwört,daß die jungen Leute das achtzehnte Lebensjahr vollendet haben undlegitimer Herkunft sind. Wenn es anders befunden wird, so hat er50 Dukaten Strafe zu zahlen 26 . Solche Anmeldungen geschahen das ganzeJahr hindurch, aber die Einführung der jungen Adeligen in den großenRat wurde nur einmal im Jahre beim Fest der heiligen Barbara am4. Dezember vorgenommen. Den ältesten Neffen Ermolao hat Francesconicht zur Balla d'oro geführt, weil er für den geistlichen Stand bestimmtwar und deshalb von den venezianischen Regierungsstellen ausgeschlossenblieb. Dies ist ein charakteristischer Zug der venezianischen Staatsver-fassung im Gegensatz zu andern Staaten in diesen Jahrhunderten, indenen bekanntlich die Prälaten oft eine führende Rolle spielten. Beialler Ehrerbietung vor den kirchlichen Würdenträgern und ungeachtetihrer tiefen und echten Frömmigkeit ließen sich die Venezianer von