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nämlich Unkenntnis in den Wissenschaften. Um so mehr sei daher derEntschluß der Tarvisiner zu loben, daß sie sich nach einem ordentlichenSchulmeister umsähen, damit ihre Söhne und ihre Jünglinge besser undgelehrter würden. Bei der Erziehung komme alles darauf an, das Erbeder virtus und der humanitas zu wahren. Er schließt mit der Versiche-rung : «Auf mich könnt ihr euch in allem stets verlassen, was immer euchund eurer Stadt zu Nutz und Zierde dienen mag. Wie ich nämlich alleTarvisiner in mein Treueverhältnis und meinen Schutz aufgenommenhabe, nachdem ich jene Prätur, fast noch als Jüngling, rein und unbe-stechlich geführt habe, so werde ich es auch weiter für meine Aufgabehalten, sie unentwegt zu schützen und über ihren Vorteil zu wachen 35 .»In diesen Worten hegt der ganze Stolz und die Berufsehre der venezia-nischen Beamten: caste integreque administrare, denn die Statthalter, dieVenedig in seine Untertanenstädte aussandte, waren keine Zwingherren,die ihre Untergebenen eigennützig auspreßten. Den besten Beweis hierfürbietet die rührende Anhänglichkeit und Treue dieser Städte an ihre Leiter,wofür die Laufbahn Barbaros uns noch manches Zeugnis bringen wird.Nur spärliche Nachrichten haben wir über Barbaros eigentliche Amts-führung. Wohl befinden sich auf den Stadtarchiven der von ihm ver-walteten Städte aus den betreffenden Jahren vergilbte, nur schwer leser-liche Aktenbündel über die Rechtspflege Barbaros, doch ist daraus nichtsvon besonderem Interesse mitzuteilen. Jedenfalls war der Pflichtenkreis,der dem einzelnen Podestä in einer solchen umfangreichen Provinz ohneeinen großen Stab von Mitarbeitern und Beamten zugemutet wurde, einrecht erheblicher. Nur in den kleineren Städten gab es einen einzigenPodestä. In den größeren Orten war die venezianische Behörde zwei-gipflig ; neben dem zivilen Machthaber, dem Podestä, stand der militärischeBefehlshaber, der Capitano. Barbaro hat in seiner staatlichen Laufbahnbeide Posten bekleidet. Im Kriege war natürlich die militärische Stellewichtiger, wie wir bei Brescia sehen werden. Beide Magistrate zusammenwurden rectores genannt. Ihr Aufgabenkreis war folgender: Dem Podestäoder Praetor untersteht die ganze zivile Gerichtsbarkeit über die Ein-wohner, dem Capitano oder Praefectus hegt die militärische Gerichtsbar-keit über die Soldaten ob, er hat auch in Friedenszeiten für die Instand-haltung der Mauern und Tore zu sorgen und außerdem Zölle und Steuern