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VI LAUFBAHN ALS STAATSMANN
einzunehmen, die der venezianischen Staatskasse aus der Stadt und derumhegenden Landschaft zufließen. Für die Finanzen standen den Rek-toren zwei Camerari (Camerlenghi) zur Seite. In Kriegszeiten hatte derCapitano Befehlshaber für die Forts unter sich, die Kastellane. Alle dieseSpitzen der Behörden wurden von der venezianischen Nobilität selber ge-stellt und streng überwacht von den Sindaci , Kontrollbeamten der Zen-tralbehörde, die die Provinzen bereisten. Während ihrer Amtsführungoder ein Jahr später durften die mit der auswärtigen Verwaltung betrau-ten Nobili keine Frau aus ihrem Amtsbezirk heiraten, ebensowenig durftensie Geschenke und Zuwendungen annehmen, es sei denn eine Ehrengabe,wie sie Barbaro beim Abschied von Brescia in Gestalt eines Schildes undeiner Fahne erhielt. Schließlich war der Podestä gehalten, regelmäßigeBerichte über seine Amtsführung, die Relationen, nach Venedig zu senden.Besonders sorgten damals die venezianischen Behörden im TrevisanerGebiet für die Bewässerung der Landschaft. Zu diesem Zwecke mußtein Kanälen Wasser aus dem nahen Piave abgeleitet werden. Im August1423 suchte Barbaro beim Senat wegen Verschönerung und Erneuerungdes Trevisaner Stadthauses um Bewilligung der Ausgaben nach und er-hielt laut Senatsbeschluß zu diesem Zwecke 200 Lire. Die venezianischenStatthalter, namentlich im XVI. Jahrhundert, hatten immer einen Hangzum Luxus in der Ausschmückung ihrer Amtspaläste, und wenn diesauch von der Pracht und der Macht des Staates Zeugnis ablegte, sah sichschließlich die Regierung genötigt, gegen allzu große Verschwendungdabei einzuschreiten 38 . Aber so üppig wie später war man im XV. Jahr-hundert noch nicht.
Während Barbaros Amtszeit in Treviso vollzog sich in Venedig ein sehrfolgenschwerer Wechsel in der obersten Stelle der Regierung. Am 4. April1423 starb einer der besten und friedfertigsten Dogen, die Venedig jebesessen hat: Tommaso Mocenigo . Auf dem Sterbebett Heß er die Rätezu sich kommen und übergab ihnen sein berühmt gewordenes Testa-ment, einen großen Rechenschaftsbericht über den venezianischen Staats-haushalt während seiner Regierung. Sterbend empfahl er ihnen noch dieAuswahl unter mehreren Persönlichkeiten, die ihm als Nachfolger er-wünscht schienen. Ausdrücklich warnte er sie aber vor einem Manne,den sie nicht zum Dogen machen sollten: Francesco Foscari , denn wenn