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VI LAUFBAHN ALS STAATSMANN
auch darf er keine Gnade für irgendwen ausbitten. Seinen Palast darf ernur in feierlichem Aufzug oder inkognito verlassen; ins Ausland darfer außer im Kriege nur als Privatmann und auch dann nur mit beson-derer Erlaubnis des kleinen Rates reisen. Audienzen darf er nur in An-wesenheit seiner Räte empfangen, die auch an ihn von auswärts kom-mende Post öffnen. Ähnliche Einschränkungen galten für seine Familie.Einmal erwähnten wir schon 37 , daß Dogensöhne seit dem XTII. Jahr-hundert keine Statthalterposten außer in den venezianischen Städten an-treten dürfen. Der kleine Rat bleibt ihnen verschlossen, und im Senathaben sie keine Stimme. Weder sie noch die Dogaressa dürfen Geschenkeannehmen. All dies hat man in den lateinischen Satz über die Lage desDogen zusammengefaßt: Rex in purpura, in urbe captivus, extra urbemprivatus, Senator in curia. (Ein König im Purpur, in der Stadt ein Ge-fangener, draußen ein Privatmann und im Sitzungssaal ein Senator.)Zwei dieser alten Bestimmungen sollten dem Foscari in seinem Dogatverhängnisvoll werden. Seit 1253 muß der Doge versprechen, ohne Ein-willigung des kleinen Rates die Dogenwürde weder abzulehnen nochniederzulegen, dagegen ist er gezwungen abzudanken, wenn der kleineRat dies einsümmig oder der große Rat mit Mehrheit beschließt. Dererste Fall ereignete sich zweimal, als Foscari deshalb amtsmüde wurde,weil er mehrfach seinen Willen nicht mehr hatte durchsetzen können. Erwünschte daher die Dogenwürde niederzulegen. Damals saß gerade Fran-cesco Barbaro in der Signorie, und nicht nur dem verfassungsmäßigenEinspruch der Miträte, sondern seinem gütlichen Zuspruch war es zudanken, daß der Doge zum Bleiben überredet wurde. Erst nach BarbarosTod brach die Katastrophe über den greisen Dogen herein. Damalswollte er im Amte bleiben, aber die Räte waren mit seiner Altersschwächeunzufrieden. Der gefürchtete Rat der Zehn setzte sich über seine Amts-befugnis hinweg und stürzte den Dogen trotz dessen Einspruch gegendas rechtswidrige Verfahren. Der Greis mußte auf seinen Stock gebeugtaus dem Palast, in dem er 30 Jahre geherrscht hatte, weichen; doch er-trug der stolze Mann, der Venedigs Machtentfaltung so gesteigert hatte,diese Demütigung nicht: während vom Glockenturm der Markuskirchedie Wahl seines Nachfolgers eingeläutet wurde, verschied er. Nun be-sannen sich die Venezianer ihres großen Dogen und wollten ihn als noch