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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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DER DOGE FRANCESCO FOSCARI

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regierenden Fürsten bestatten; anfangs weigerte sich die erzürnte Witwe,die Leiche herauszugeben, die sie zur Beschämung der undankbarenVaterstadt auf eigne Kosten begraben wollte, doch schließlich gab sie denVorstellungen der Nobili nach. Vielleicht hätte der maßvolle Barbaro,wenn er noch am Leben gewesen wäre, durch seinen großen Einfluß aufdie Mitbürger diese letzte Unbill vom Haupte des leidgeprüften Fürstenabwenden können. Wie nahe er dem Dogen persönlich stand, ist schwerabzuschätzen, da er ihn äußerst selten in seinen Briefen erwähnt. DieHäuser Foscari und Barbaro scheinen aber in Freundschaft verbundengewesen zu sein, denn der Briefwechsel, der sich zwischen ihnen spann, istvon Anteilnahme an Krankheits- und Todesfällen in beiden Familien er-füllt. Besonders dem feingebildeten unglücklichen Sohne des Dogen,Jacopo Foscari, stand Barbaro nahe. Aus einem Briefe Francescos an ihnentnehmen wir die Sorge um das Schicksal seines Vaters, des alten Dogen.Im Augenblick, als sich über Brescia das Gewitter zusammenziehen will,erfaßt Barbaro plötzlich die Angst, der Doge könnte in diesen gefahr-vollen Zeitläuften sterben. Er erfährt nämlich, daß ein Bruder des Jacopoder Pest erlegen ist und daß der Vater bis zuletzt am Sterbebett des Sohnesgewacht habe; so mahnt er Jacopo, dieser solle sich alle erdenkliche Mühegeben, daß der Doge gesund bleibe: «damit unser Fürst, von dessen Heildas Leben so vieler abhängt, so lange als möglich erhalten bleibe, aufdaß der Staat nicht in die größte Bedrängnis und Gefahr gerate, wenn beider Unsicherheit menschlicher Gesundheit auch noch dies Übel hinzu-träte, daß er pestkrank würde. Dies ist an sich so einleuchtend, daß ich esnicht zu erklären brauche. Und wenngleich er glaubt, seiner Natur nachoder für den Ruhm des Vaterlandes schon genug gelebt zu haben, so hater doch hierfür nicht genug gelebt, da noch manche Wunde des Vater-landes zu pflegen ist, die nächst Gott außer ihm wohl keiner heilen kann.Wir müssen also dafür sorgen, daß er jetzt nicht den Staat so gefährdetund in Todesverachtung das Gebot der Weisheit außer acht lasse, da ernicht sich selbst geboren ist, noch für sich selbst sterben darf 38 .»Später aber,in dem oben erwähnten Briefe an die Tochter Constanza 39 , weiß Francescodie Gefaßtheit des Dogen beim Tode des Sohnes als rühmendes Beispielhinzustellen. Er habe schon am dritten Tage darauf vorm Senat in vollerGeistesgegenwart und höchster Beredsamkeit eine feurige Rede gehalten.