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VI LAUFBAHN ALS STAATSMANN
Der vom Unglück verfolgte Doge mußte aber auch erleben, daß seinSohn Jacopo aus Verzweiflung vor ihm starb. Bei der Ermordung einesder angesehensten Staatsmänner der Inselstadt, des Ermolao Donato, fielder Verdacht der Mittäterschaft auf den Dogensohn, dessen poütischerGegner Donato gewesen war. Jacopo Foscari wurde verbannt, undalle Bitten um Rückkehr halfen ihm nichts. Für Vater und Sohn wareine kurze Heimkehr Jacopos erschütternd, da die ihm feindlich gesonne-nen Adeligen seine sofortigeWiederverbannung veranlaßten, dem beküm-merten Vater aber die Hände gebunden waren, ist es doch keinem Dogenerlaubt, für irgendwen eine Gnade auszubitten. Jacopo ist dann kurzdarauf in der Verbannung an gebrochenem Herzen gestorben. Dastragische Schicksal von Vater und Sohn diente Lord Byron zum Vor-wurf für sein Drama: The two Foscaris. Da das Schicksal der Foscarisso dramatisch verlief, konnte der Dichter es gestalten. Ein Leben wieBarbaros hingegen deutet eher auf breite epische Fülle und bietet demHistoriker einen dankbareren Stoff. Man kann nicht sagen, daß dasSchicksal der ersteren bedeutsamer ist, nur weil es dem Verhängnisverfällt. Auch Barbaro streift hart an dem Untergang, aber er ent-rinnt ihm, und sein Leben bleibt, was es von Anfang an war: dienorma bene vivendi.
Im ersten Jahr des neuen Dogates des Francesco Foscari (1423) kehrteBarbaro im Dezember nach Venedig gerade rechtzeitig zurück, als derDoge auf dem berühmten StaatsschifF, dem Bucentoro, einen hohen Gastvom Meere einholte und auf der Insel San Giorgio beherbergte. Es warder griechische Kaiser Manuel Paleologos , der ins Abendland reiste, umHilfe gegen die Türken zu erlangen. Francesco Barbaro und LeonardoGiustiniani wurden vom Dogen ausersehen, um den Kaiser mit einergriechischen Ansprache zu empfangen. Der Fürst war nicht wenig erstaunt,aus dem Munde venezianischer Edelleute sich in seiner Mutterspracheangeredet zu hören, und sagte: «Das müssen Schüler Guarinos sein», weildieser ihm von Konstantinopel her wohlbekannt war 40 . Als 15 Jahrespäter der nächste byzantinische Kaiser in Italien landete, um am Eini-gungskonzil zu Ferrara teilzunehmen, war Barbaro gerade in Brescia ein-geschlossen und konnte daher nicht zu seinem Empfang herbeieilen;deshalb beauftragte er dieses Mal Guarino, der in Ferrara als Dolmetscher