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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
Seite
179
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GRIECHISCHE ANSPRACHE AN DEN KAISER VON BYZANZ 179

zwischen den griechischen und römischen Würdenträgern tätig war, demKaiser statt seiner aufzuwarten 41 .

Um den Jahreswechsel von 1423/24 rinden wir Barbaro kurz im Rate derZehn 42 sitzen, aber schon am 24. Februar des nächsten Jahres reiste ernach Vicenza ab, dem er für ein Jahr als Podestä vorstehen sollte. Hierwartete seiner eine wichtige juristische Aufgabe. Alle diese Städte aufdem Festlande waren erst im XV. Jahrhundert venezianisch geworden.Zuerst hatte sich Vicenza freiwillig angeschlossen, um nicht dem ver-haßten Stadttyrannen des nachbarlichen Padua, dem Carrara, in dieHände zu fallen; ein Jahr später vertrieb Venedig die Scala aus Verona und dann die Carrara aus Padua. Die venezianischen Behörden, deneneine jahrhundertalte Verwaltungsübung aus ihrem überseeischen Kolo-nialreich zugute kam, gingen in den neuerworbenen Gebieten sehr be-hutsam und staatsklug vor, um sich die Herzen der Bevölkerung zugewinnen. Im Senat hatte man sich im Jahre 1411 dahin ausgesprochen,daß Wohlwollen und Entgegenkommen der Grundsatz für die Ver-waltung der Städte des venezianischen Festlandes sein sollte 43 . Eigen-tümlich war es, wie man die demokratischen und stadtfürstlichen Re-gierungsformen, die man in diesen Städten antraf, allmählich in dieheimische aristokratische überführte. Freilich konnte sich Venedig nichtauf den Adel der Untertanenstädte verlassen, der, wie wir aus den Pre-digten Bernardinos hörten, in die althergebrachten Parteiungen zerrissenwar. So galt die erste Fürsorge der Venezianer bei ihrer Besetzung derTerra ferma der Landwirtschaft, der Industrie und dem Gewerbe, wo-durch sie die große Menge des Volkes für sich gewannen. Der vene-zianische Podestä war, wie wir sahen, im wesentlichen richterlicherBeamter. Im übrigen ließ man den Städten die Selbstverwaltung. Er warnur Vorsitzender des Stadtrates, der nach den überlieferten Statutenregierte. Nur auf die Besetzung des Stadtrates übten die neuen Herren ihrenEinfluß aus: wie bei ihnen zu Hause sollte auch hier der Adel regieren;freilich dachten sie nicht daran, ihn in die venezianische Nobilität auf-zunehmen. Venedig behielt sich nur die Spitzen und die Kontrollgewaltvor; alle dem Podestä nachgeordneten Ämter wurden mit einheimischenPatriziern besetzt, während die Schreiber- und Sekretärsposten wie inVenedig den Bürgerlichen zufielen. Einen solchen Posten hatte Biondo