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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
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181
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BARBARO: PODESTÄ IN VICENZA 18l

Guarino die Leistungen Barbaros in seinem Amte auf: «Er hat denStaatsschatz gefüllt in der Erkenntnis, daß dies der Nerv der Stadt sei,eine Zierde im Frieden und der Rückhalt im Kriege.» Um die Landschaftmachte er sich durch Austrocknen von Sümpfen verdient und in derStadt stellte er einige Ämter wieder her, die durch Nachlässigkeit mitder Zeit in Abnahme gekommen waren. Schließlich hat er auch gutePolizei geübt und viele gemeingefährliche Landstreicher durch Mildeund Nachsicht zur Ordnung gebracht. Nun hatte die Stadt schon seitJahren vergeblich um Angleichung ihrer Rechte an die veränderten Ver-hältnisse gebeten. Erst Barbaro erfüllte diesen Wunsch. «Alle diese Volks-beschlüsse, Senatsbeschlüsse, Verfügungen des Podestäund des erlauchtenSerenissimus unseres Fürsten, des Dogen von Venedig, die ungenau undverstreut waren, hat er in einem Band vereinigt und unter einen Gesichts-punkt geordnet, damit sie stets zur Benutzung bereit stehen.» Auch ver-säumte Barbaro nicht, die empfehlenswertesten Rechtsgrundsätze andererVölker, soweit sie sich ins Vicentiner Stadtrecht einfügen ließen, zuübernehmen. In humanistischer Freude am Rühmen schließt Guarinosein Lob mit dem Ausrufe: «Ihn wollen wir, wie die Römer den Justinian ,die Kreter den Minos, die Athener den Solon , die Spartaner den Lykurgdem Ruhm in Ewigkeit weihen.»Auch nannten die Vicentiner den Palastihres Podestä Barbaro «das Haus des Friedens» und «den Tempel derEintracht», weil er überall zwischen den Parteien Versöhnung stiftete 45 .Es war üblich, beim Amtswechsel für die beiden Podestä, für den schei-denden und für den kommenden, eine Feier zu veranstalten, bei der aufsie eine Lobrede gehalten wurde. Vier solcher Lobreden auf Barbarohaben sich in Handschriften erhalten 46 , die erste nach seiner Prätur inVicenza von Matteo Bissario (1425), die zweite von Ambrogio Awo-gadro nach Brescia (1440), die dritte vor Verona durch Tobia dal Borgo(1441) und die letzte von Giovanni da Spilimbergo nach Udine (1448).In all diesen über 23 Jahre seiner Amtslaufbahn verteilten Reden wird einLebensabriß Barbaros gegeben, und wir werden am Ende des Buches nochGelegenheit haben, sie zu vergleichen und das vor den Augen der Zeit-genossen wachsende Lebensbild Barbaros zu beobachten. Diese Redenwurden meist von dort ansässigen Juristen oder Humanisten gehalten.Bisher hatte Francesco Barbaro nur Werke des Friedens geleistet. Von