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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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VI LAUFBAHN ALS STAATSMANN

nun an, die zweite Hälfte seines Lebens, ist Venedig mit kurzen Unter-brechungen dauernd in Kriege mit Mailand verwickelt. So steht aüchBarbaros fernere Tätigkeit ganz unter dem Zeichen des Krieges. Wirsehen ihn in mannigfachen Stellen und Ämtern; in den ersten 15 Jahrennach 1426, dem Ausbruch der mailändischen Kriege, ist er immer da,wo es am heißesten hergeht oder die diplomatischen Entscheidungenfallen; später als verdienter Veteran wird er in die Etappe zurückgezogen;man schickt jüngere Leute wie Lodovico Foscarini, den staatsmännischenSchüler Barbaros, an die Front, den er mit seinem durch lange Erfahrungvertieften Rate unterstützt.

Hatte sich Venedig im ersten Viertel des XV. Jahrhunderts auf Kosten derkleinen Stadtfürsten nach Westen auf dem Festlande ausgebreitet, so hattedas gleiche auch Mailand in östlicher und südlicher Richtung getan, undes war vorauszusehen, daß Mailand schließlich mit Venedig und Florenz zusammenstoßen mußte. Ein Kranz von oberitalienischen Städten warrings um Mailand unter die strenge Botmäßigkeit seines Herzogs ge-kommen. Bergamo, Lodi, Cremona, Brescia, Parma, Piacenza, Vercelli ,Alessandria und eine Zeitlang auch Genua waren ihm Untertan. Als derHerzog nun 1423 im Verlaufe der Kämpfe und Unruhen, die Biondoaus seiner Vaterstadt vertrieben hatten 47 , eine Garnison nach Forll inder Romagna legte, schickten die Florentiner eine Gesandtschaft unterihren angesehensten Bürgern Palla Strozzi und Giovanni de'Medici ,dem Vater Cosimos und Lorenzos, nach Venedig, weil sie hofften, derneue Doge Foscari werde einem Bündnis gegen Mailand geneigter seinals sein Vorgänger. Der Doge wollte zunächst den Frieden erhalten undsuchte zwischen Florenz und Mailand zu vermitteln. Erst als dieser Ver-such einer Aussöhnung an der Halsstarrigkeit des Herzogs gescheitertwar, ging Ende des Jahres 1425 Venedig ein Bündnis mit Florenz einund beteiligte sich am Krieg gegen Mailand , der die Macht des Herzogsüber die Adda zurückdrängte und den Venezianern Bergamo und dasnoch wichtigere Brescia einbrachte. In einem Brief an seinen FreundLorenzo de'Medici begrüßt Barbaro das Bündnis, das den bedrängtenFlorentinern Luft schaffe und ganz Italien von einem Alpdruck befreie 48 .Kurz nach Barbaros Rückkehr aus Vicenza beschloß am 4. April dieSignorie eine Gesandtschaft an Papst Martin V. zu schicken 49 und wählte