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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
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183
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BARBAROS GESANDTSCHAFT NACH ROM

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dazu drei Gesandte, von denen einer «defectu personae», also wegen einerkörperlichen Behinderung, ablehnte. Die andern beiden, darunter Fran-cescos älterer Freund Fantino Dandolo, mit dem er schon in Padua inVerbindung stand, zahlten lieber die gesetzmäßig festgelegte hohe Bußevon 200 Dukaten, als daß sie den Auftrag annahmen. Nach acht Tagenwurden an ihrer Stelle dann Ser Andrea Morosini (Maurocenus) undFrancesco Barbaro gewählt; beide nahmen an. In der Bestallungsurkundewird genau festgelegt, welche Aufwendungen für die Gesandtschaftgemacht werden dürfen. Zunächst erhält jeder der beiden «oratores»100 Dukaten, um sich das Gesandtenkleid anfertigen zu lassen. IhreBegleitung besteht aus drei Kammerdienern, drei Burschen (dazu einSaumtier für jeden), einem Notar mit seinem Gehilfen, einem Zahlmeister,einem Pferdemarschall und einem Koch. Die ganze Gesandtschaft bestandalso aus 13 Personen. Die täglichen Ausgaben dürfen elf Dukaten be-laufen (nicht eingerechnet die Auslagen für Pferdefutter und Fährgeld).Für die Vorbereitungen werden acht Tage gegeben, dann stellt der Dogemit fünf consiglieri des kleinen Rates und den drei zugezogenen sapientesterrarum de novo acquisitarum wir würden heute sagen: den Staats-sekretären für die neuerworbenen Gebiete, eine Behörde, in der Barbaroselbst zu wiederholten Malen gesessen hat den diplomatischen Auftragfür die beiden Gesandten fest. Nach vergeblichen unmittelbaren Friedens-verhandlungen der Gegner in Ferrara hatte unterdes seit dem letztenJahre Papst Martin V. sich ins Mittel gelegt und beide Parteien nach Rom eingeladen. Der Doge vermutet, daß der Papst wohl ein öffentlichesKonsistorium halten werde, und dabei sollen Barbaro und sein Kollege«mit jener Würde, die sich ziemt», darauf bestehen, daß die Mailänder ihreWünsche zuerst äußern. Erst wenn diese sich weigern, sollten die vene-zianischen Gesandten dem Papst ihre Friedensliebe beteuern und dieGeneigtheit ihrer Signorie, vom Kriege abzulassen. An erste Stelle derFriedensbedingungen, die die Gesandten verlangen sollen, steht die Ent-lassung von venezianischen Kondottieren und Schutzbefohlenen, denHerren von Malatesta. Falls die Mailänder einwilligen, sollen sie den Vor-schlag machen, daß Mailand und Florenz in gleicher Weise auf das eroberteGebiet verzichte. Der Herzog müsse sich auch aus der Romagna zu-rückziehen und die Gebiete von Forli und Imola herausgeben. Ferner