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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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VI LAUFBAHN ALS STAATSMANN

solle sich weder Florenz noch der Herzog in die inneren Angelegen-heiten von Bologna mischen. Das von den Venezianern besetzte Brescia solle ihnen verbleiben, da sie sich den dortigen Adeligen verpflichtethätten. Unter diesen Bedingungen haben die beiden Gesandten Voll-macht, den Frieden abzuschließen; bei Abänderungen müssen sie sichdurch Schnelläufer neue Anweisungen aus Venedig holen. Unterwegssollen Barbaro und sein Kollege dem päpstlichen Gouverneur von Bolo-gna 49 Bescheid sagen, dann vor die befreundete Signorie in Florenz treten^ebenfalls in Siena. In Rom traf Barbaro außer den mailändischen Gegnernauch eine Gesandtschaft der verbündeten Florentiner, an deren Spitzesein Freund Leonardo Aretino Bruni stand 50 . Da den venezianischenGesandten von ihrer Signorie zur Pflicht gemacht worden war, sich stetszur Verfügung des Papstes zu halten, so hatten sie Martin v. auch nachseinem Sommeraufenthalt in den römischen Bergen Genazzano zubegleiten. In einem Augenblick der Ruhe dieser ihn sehr anregendenReise gibt Barbaro an Guarino einen interessanten Bericht 51 . Wie füralle Humanisten ist auch für ihn Rom ein erschütterndes Erlebnis. DaGuarino doch wisse, wie leidenschaftlich ihn von früher Jugend an dasGedächtnis der hochgepriesenen Herrscher und Bürger der Stadt Rombewegt habe, so könne er sich jetzt seine Erregung vorstellen, in die ihndie Betrachtung der Stätten versetzt habe, an denen all dies Erhabene ge-schah. \\"ir verstehen die spätere freudige Anteilnahme Barbaros an Bion-dos Roma instaurata, der Topographie des antiken Roms 51 , wenn wir seinechtes Humanistenentzücken über die Ewige Stadt hören: «... bald werdeich dir alles mündlich erklären..., laß mich jetzt die unzähligen Denk-male der Vorzeit übergehen, die Zeuge ihres ungeheuren Geistes und desRömischen Reiches sind; wohin ich immer meinen Schritt durch die weit-ausgebreitete Stadt lenkte, überall stieß ich auf irgendeine Spur antikeroder christlicher Geschichte». Dieser starke römische Eindruck reizteBarbaro, nicht nur das allen Bekannte anzustaunen, sondern auch selberauf Entdeckungsfahrten auszugehen. Das Glück war ihm hold. Die mai-ländischen Gesandten, die nicht nachgeben wollten, waren inzwischenunverricbxeter Dinge abgezogen erst nach einer neuen schweren Nieder-bei Maclodio durch den venezianischen Kondottiere, Graf Carma-gnola, ließ sich Herzog Filippo Mark zum Frieden unter den venezianischen